Amori Italien 2017 – 92min.

Amori

Filmkritik

Amour Fou auf Italienisch

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Er hat schon längst genug, während sie noch immer verzweifelt an der wilden Liebschaft festhält: Die Italienerin Francesca Comencini erzählt in Amori che non sanno stare al mondo von den Irren und Wirren der Liebe.

Claudia (Lucia Mascino) ist eigentlich eine selbstbestimmte Frau in ihren Vierzigern: Sie lehrt an der Universität Literatur, berät ab und an ihre Nachbarin, die ebenfalls Single ist und sich zurzeit im Scheidungskampf befindet, in Sachen Männern, und läuft selbstbewusst mit Sonnenbrille und knallroten Lippen durch die Strassen Roms. Doch der erste Blick täuscht: Claudia wurde vor kurzem von Flavio (Thomas Trabacchi) verlassen, mit dem sie seit rund sieben Jahren eine wilde Beziehung gepflegt hatte – nächtliche Diskussionen (oder besser: Monologe ihrerseits) über Kinderwünsche, Heiratsvorstellungen und sonstige Zukunftspläne inklusive. Claudias einnehmende und forsche Art bewegen Flavio schliesslich zu einem definitiven Schlussstrich. Nur: Sie hält steif an der Liebe der beiden fest, ruft ihn auch nach der Trennung täglich – einmal ganze 28 Mal – an. Bleibt tagelang im Bett, spioniert ihm nach, bricht öffentlich zusammen. Als sie erfährt, dass Flavio definitiv zu neuen Ufern aufbricht – er heiratet bald seine rund halb so alte, bildhübsche Freundin und ehemalige Studentin – wird auch ihr klar, dass sich etwas ändern muss.

Regisseurin Francesca Comencini (unter anderem bekannt für die TV-Serie «Gomorrha») wollte mit Claudia eine Frauenfigur schaffen, die trotz allem Leid nicht als Opfer dargestellt wird. Das ist ihr gelungen: Claudia wirkt auf weite Strecken durchgeknallt, anspruchsvoll, traurig – aber nie bemitleidenswert. Das ist wohl auch Lucia Mascino zu verdanken, die ihrer Figur unglaublich viele Facetten verleiht, mit feinfühliger Situationskomik für den einen oder anderen witzigen Moment sorgt und dem Film damit – trotz dem Thema Liebeskummer – eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Auch zeigt Comencini ein gutes Gespür für passende Settings, die die Stimmungen zu unterstreichen wissen – so spielen die Rückblenden der gemeinsamen Phase von Claudia und Flavio hauptsächlich in einem Landhaus abseits von Rom, inmitten von blühenden Wiesen und Niemandsland. Nichtsdestotrotz schafft es Amori che non sanno stare al mondo insbesondere im letzten Drittel schlussendlich nicht, sein volles Potential auszuschöpfen: Der Film ist zwar eine schöne Darstellung von Wehwechen, die emanzipierte Liebesbeziehungen in der heutigen Zeit so mit sich bringen – unkonventionelle Liebe, Herzschmerz und Amour Fou hat man aber zum Beispiel bei Woody Allen oder Pedro Almodovar schon um einiges provokativer, überraschender und aussagekräftiger gesehen.

03.07.2018

3

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Kommentare

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RSpiegel

vor 2 Monaten

Viel zu viel intellektuelles Geschwätz, nicht nachvollziehbares hysterisches Getue der Hauptfigur, ein bisschen Softporno und ein verschlafener männlicher Hauptdarsteller - was soll's?


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