Alles Geld der Welt USA 2017 – 132min.

Alles Geld der Welt

Filmkritik

Die Sache mit dem Geld

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Die mittellose Gail Getty ist keine wirkliche Getty – nicht, wenn man dies anhand des Vermögens definiert. Umso verzweifelter ist sie deshalb, als ihr Ex-Schwiegervater, seines Zeichens reichster Mann der Welt, das Lösegeld für ihren Sohn ausschlägt. Geld ist weitaus nicht das einzige Problem, mit dem der Film von sich Reden macht.

Wir schreiben den Sommer 1973: In einer lauen, mediterranen Sommernacht wird der 16-jährige John Paul Getty III. (Charlie Plummer) in Rom von der italienischen 'Ndrangheta entführt. Brisant: Er ist der Enkel des reichsten Mannes der Welt, John P. Getty (Christopher Plummer) – seines Zeichens milliardenschwerer Öl-Mogul. Diesem fällt es jedoch nicht im Traum ein, das geforderte Lösegeld von 17 Millionen Dollar – in seiner Welt in etwa einen Monatslohn – zu zahlen: Woher soll er wissen, dass nicht sogar jemand aus der Familie hinter allem steckt? John Pauls Mutter Gail (Michelle Williams) bleibt nichts Anderes übrig, als ihren Sohn mithilfe eines ehemaligen CIA-Vermittlers (Mark Wahlberg) im Alleingang zu befreien. Als nach monatelangem Austausch mit der Kontaktperson bei der 'Ndrangheta (Romain Duris) ein abgeschnittenes Ohr auf dem Tisch der italienischen Polizei landet, ist es an der Zeit, den Ernst der Sache zu erkennen.

Ironie des Ganzen ist der Hintergrund des Films von Ridley Scott: Nachdem John Paul Getty zunächst von Kevin Spacey verkörpert wurde und nach Missbrauchsvorwürfen im Rahmen von kurzfristigen Nachdrehs – rund sechs Wochen vor Kinostart – durch Christopher Plummer ersetzt wurde, machte der Film danach Schlagzeilen mit der ungleichen Bezahlung der Hauptdarsteller: Michelle Williams soll für den Nachdreh ein Wenigfaches ihres Co-Stars Mark Wahlberg verdient haben. Glücklicherweise merkt man dem Drama-Thriller zunächst nichts vom Tumult rundherum an: Christopher Plummer, selbst schon 88 Jahre alt, ist als kühler, unnahbarer, unverschämt reicher Öl-Mogul absolut glaubwürdig und die Szenen mit ihm wirken dann auch nicht wie in Eile gedreht, sondern zählen zu den stärkeren im gesamten Film – belohnt wurde dies mit einer Oscarnomination als bester Nebendarsteller. Auch sticht Michelle Williams als verzweifelte aber willensstarke Frau in einem männerdominierten Umfeld – umgeben von ihrem Ex-Mann, ihrem dominanten Ex-Schwiegervater, einem CIA-Vermittler und dem rein männlich besetzten italienischen Polizeistab – heraus.

Mit Alles Geld der Welt verfilmte Ridley Scott eine wahre Geschichte, die sich in den 70er-Jahren in Italien so oder so ähnlich zugetragen hat. Das Setting ist dann auch treffend umgesetzt und die Geschichte an und für sich faszinierend: Wenn der Grossvater zum Beispiel kaum von den Aktienkursen aufsieht, als er die Neuigkeit der Entführung seines Enkels erfährt, sind die Abgründe des Reichtums klar erkennbar. Als Thriller schöpft der Film sein Potential dann aber nicht gänzlich aus: Zwar gibt es zwischendurch Szenen, die durchaus nervenzerreissend sind – die Spannung wird jedoch oft dadurch zunichte gemacht, dass die Angehörigen alle Zeit der Welt zu haben scheinen und nebst der Befreiung des Sprösslings mit vielerlei Sachen abgelenkt sind. Leider verpasst es der Film dann schlussendlich auf einer Dramaebene auch, aufgeworfene Fragen nach Reichtum, Gier und Erbschaft tiefergehend anzusprechen. Genau das ist es jedoch, was an Alles Geld der Welt wirklich faszinieren könnte: Die Sache mit der unendlichen Menge an Geld. So bleibt der Film ein solider Thriller im authentisch-ästhetischen 70er-Jahre Look und dem bitteren Nachgeschmack einer durchaus passenden Besetzung.

12.02.2018

4

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Kommentare

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muri

Spannend, realistisch und interessant. Passt.

Alles Geld der Welt 4

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