CH.FILM

Zoe & Julie: Hidden Marks Deutschland, Schweiz 2015 – 92min.

Zoe & Julie: Hidden Marks

Filmkritik

Lügen, Laster und verletzte Seelen

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Ein Vater wird von der eigenen Tochter diffamiert und des sexuellen Missbrauchs bezichtigt – aus Eifersucht und verletzter Eitelkeit, unterstützt von ihrer Freundin. Das Familien- und Gesellschaftsdrama von Markus Fischer ist nah an der Wirklichkeit – fesselnd und verstörend.

Jugendliche können zu Ungeheuern werden, kennen weder Respekt noch Ehrgefühl, wenn sie sich verletzt, unverstanden und alleingelassen fühlen. Die 17-jährige Zoé (Nurit Hirschfeld) trauert um ihre tote Mutter und neidet dem Vater Valentin (Thomas Sarbacher) seine Freundin Jasmin (Maria Boettner). Sie attackiert den Vater, beschimpft ihn und reizt ihn bis aufs Äusserste. Dem rutscht die Hand aus. Zoé nimmt Reissaus und flüchtet sich zur Freundin Julie (Dina M. Frank). Die zwielichtige Freundin konstruiert aus diesem handfesten Konflikt einen sexuellen Übergriff, bestärkt durch Julies Eltern (Carina Braunschmidt und Siegfried Terpoorten).

Wir Zuschauer wissen, dass die Anschuldigungen haltlos sind, aber auch, dass die durchtriebene Zoé ein Doppelleben führt. Wir erfahren, wie ein Mann diffamiert, verfolgt wird und wie Opfer zu Täterinnen werden. Markus Fischers Familien- und Beziehungsdrama mit dem Zusatz «Hidden Marks» spielt auf zwei Ebenen, eine gegenwärtige und eine vergangene. Dabei spielen «Hidden Marks» oder «verborgene Narben» eine entscheidende Rolle, denn Julie hat ein Geheimnis, das sie verhängnisvoll geprägt hat, an dem sie leidet. Sie ist die treibende Kraft, ein Lügengebäude aufzubauen und Valentin perfide in die Pfanne zu hauen. Ihre gutbürgerlichen Eltern, die keine Ahnung vom lasterhaften Sexleben, den «Narben» ihrer Tochter Julie oder sie verdrängt haben, werden mitschuldig an der fatalen Entwicklung.

Markus Fischer, bekannt auch als Erfolgsproduzent der TV-Reihe «Der Bestatter», liess sich von einer wahren Geschichte zu seinem Film inspirieren, die er in der Wochenzeitung «Die Zeit» aufgelesen hat. Das Thema Missbrauch hat er quasi doppelschichtig angelegt und dramatisiert. Es geht um doppelten Missbrauch, um die heikle Beziehung zwischen Vater und Tochter, aber auch um tatsächlich vorgefallenen sexuellen Missbrauch innerhalb einer Familie, um seelische Verletzungen und Beschädigungen. Zoé war als Kind Erwachsenen ausgesetzt, fühlt sich ausgeliefert und stigmatisiert, auch wenn es niemand sieht. Aber sie missbraucht auch eine Freundschaft, um sich an Erwachsenen zu rächen. Fischers packendes Drama, nah an der Wirklichkeit und überzeugend inszeniert, wird von einem starken Ensemble getragen. Die Besetzung stimmt und überzeugt.

15.02.2016

5

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