Song to Song USA 2017 – 129min.

Song to Song

Filmkritik

Driften mit Terrence

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Großer Kino-Poet oder einfallsloser Leinwand-Esoteriker? Gerade in letzter Zeit scheiden sich an US-Regisseur Terrence Malick die Geister. Verehrer seines elegischen, von klassischen Erzählkonventionen losgelösten Stils werden wahrscheinlich auch dem neuen Werk Song to Song Bewunderung entgegenbringen. Nüchtern betrachtet, dreht sich der öffentlichkeitsscheue Filmemacher thematisch aber immer mehr im Kreis und bemüht dabei wenig eindrückliche Plattitüden.

Handelte Malicks vorangegangene Spielfilmarbeit Knight of Cups von einem Hollywood-Drehbuchschreiber, der sich auf der Suche nach einem tieferen Sinn in zahlreiche Affären stürzt, widmet sich Song to Song einigen Menschen aus der Musikszene von Austin, Texas, die mit ihrem rauschhaften, jedoch unerfüllten Dasein zu kämpfen haben. Das Setting, das trotz Gastauftritten von Branchengrößen wie Iggy Pop und Patti Smith recht austauschbar erscheint, ist ein anderes. Inhaltlich verharrt der Regie-Exzentriker aber weitestgehend dort, wo er schon 2015 stehengeblieben war.

Statt einer klar strukturierten, fortlaufenden Handlung erwartet den Zuschauer einmal mehr ein assoziativer, häufig improvisiert anmutender Bilderreigen, der Momentaufnahmen aus dem Leben der Hauptfiguren zeigt. Eine von ihnen ist die Nachwuchsmusikerin Faye (Rooney Mara), die sich auf ein Verhältnis mit dem exaltierten Produzenten Cook (Michael Fassbender) einlässt. Irgendwann verguckt sie sich in ihren Kollegen BV (Ryan Gosling), der mit Hilfe des Plattenmoguls ebenfalls den Durchbruch schaffen will. Wäre Song to Song ein klassischer Erzählfilm, würde das Liebesdreieck zahlreiche dramatische Verwicklungen nach sich ziehen. Bei Malick ergeben sich allerdings schon bald neue Konstellationen und Partnerschaften, in denen sich die attraktiven, lebenshungrigen Protagonisten weiter treiben lassen.

Ihr Hedonismus kann freilich nicht kaschieren, dass unter der glamourösen Oberfläche eine große Leere herrscht. Beschworen wird die Melancholie und Orientierungslosigkeit nicht zuletzt über die Tonspur, die regelmäßig mit introspektiven Voice-Over-Kommentaren aufwartet. Was tiefsinnig klingen soll, wirkt in vielen Fällen jedoch banal und abgeschmackt und ist mit zunehmender Dauer immer schwerer zu ertragen. Emmanuel Lubezkis Kamera, die selten zur Ruhe kommt, liefert einige ausgesucht schöne Bilder. Und auch die talentierten Darsteller – besonders Rooney Mara und Ryan Gosling – können kleinere Akzente setzen. Am Ende nützt das aber herzlich wenig, da Song to Song keine spannenden Einsichten transportiert, sich häufig in Wiederholungen ergeht und insgesamt reichlich prätentiös ausfällt.

17.07.2017

2

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Kommentare

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asgoodasitgets

vor 2 Jahren

2 Stunden und 10 Minuten übelste Esoterik-Gschpürschmi-Folter. Einfach nur schrecklich.


disda

vor 2 Jahren

trotz hohem staraufgebot ziemlich enttäuschend


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