The Girl on the Train USA 2016 – 112min.

Filmkritik

Blick aus dem Zugfenster

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Emily Blunt liefert eine grossartige schauspielerische Leistung in Tate Taylors mittelmässigem Gone Girl Abklatsch, The Girl on the Train.

Zwei Jahre nach ihrer Scheidung von Tom (Justin Theroux) pendelt die einsame und heftig trinkende Rachel (Emily Blunt) jeden Tag nach Manhattan und zurück. Der Zug führt sie am zweistöckigen Haus von Megan (Haley Bennett) und Scott (Luke Evans) vorbei, Leute, in die Rachel alle Charakteristiken des perfekten Paars hinein projiziert. Dass dieses Haus nur einen Steinwurf entfernt von ihrem Ex-Mann und seiner neuen Familie mit Anna (Rebecca Ferguson) liegt, ist kein Zufall. Als sie Megan mit einem Fremden auf dem Balkon ihres Hauses sieht, rastet Rachel völlig aus.

The Girl on the Train ist die Verfilmung des erfolgreichen Romans von Paula Hawkings. Mal abgesehen davon, dass die Handlung von London nach New York verlegt wurde, folgt der Film genau seiner non-linear erzählten literarischen Vorlage. Der Regisseur Tate Taylor (The Help, Get on Up) bietet dem Zuschauer stilistisch und visuell aber nur wenig, was zur Spannung oder Klarheit der Handlung beitragen könnte. Erzählt wird aus der Sicht der drei Protagonistinnen, aber mal abgesehen von Rachel, sind Megan und vor allem Anna kaum definiert und ihre Motivationen sind oft schwer zu erkennen.

Das schauspielerische Können von Emily Blunt rettet diesen Film davor, in die Banalität abzudriften. Ihre Darstellung der Pendlerin mit einem Job in Manhattan lässt uns erst nach und nach unter das korrekte Äussere einer Frau im Powersuit blicken. In kleinen Schritten blättert das Make-up ab und wir sehen unreine Haut, verschmierten Eyeliner und schliesslich die Wasserflasche voller Wodka, die sie jeden Tag mit in die Stadt schleppt. Aber von der Schauspielerin, die als Soldatin im Schlachtfeld Tom Cruise den Arsch rettet oder sich mit Meryl Streep sowohl in Komödien als auch Musicals messen kann, ist wohl nichts anderes zu erwarten.

The Girl on the Train wurde schon vor seinem Kinostart mit dem Oscar nominierten Film Gone Girl verglichen. Aber, während David Finchers Krimi die Zuschauer kaum aufatmen liess, ist The Girl on the Train nicht viel aufregender als die allmorgendliche Zugfahrt zur Arbeit.

24.10.2016

3

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Kommentare

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RobertdeNirosta

vor einem Monat

Sehenswert in diesen Film ist nur Emily Blunt mit einer absolut genialen Darbietung als verlorene Trinkerin, bei der die Wahrnehmung von Realität und Fiktion verschwimmt. Der Rest vom Film ist aber nur Sex and Crime as usual. 2/5


Patrick

vor 5 Jahren

Storymässig ein grosses Wirrwarr das man beinahe die Geduld verliert das ganze zu Ende an zu sehen.Das Fazit am Ende des Filmes er ist vorsehbar verstörend und Brutal und nur gelegentlich Spannend.

Zuletzt geändert vor 5 Jahren


Schlosstaube

vor 6 Jahren

Wirre Psycho-Story !


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