The Conjuring 2 USA 2016 – 134min.

The Conjuring 2

Filmkritik

Ergreifender Dämonenspuk

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Reüssiert eine Hollywood-Produktion an den Kinokassen, lässt eine Fortsetzung zumeist nicht lange auf sich warten. Eine Faustregel, die auch für den Überraschungshit The Conjuring von 2013 gilt, mit dem Saw-Schöpfer James Wan unter Beweis stellte, dass er auch stilvoll-klassische Schauergeschichten inszenieren kann. Anders als man es im Horrorgenre gewöhnt ist, liefert der junge Filmemacher mit seiner zweiten Arbeit rund um die real existierenden Dämonologen Ed und Lorraine Warren keinen Grusel von der Stange ab.

Während einer spiritistischen Sitzung vor dem Hintergrund des berühmt-berüchtigten Amityville-Spuks begegnet die paranormale Expertin Lorraine Warren (Vera Farmiga) einem Dämon in Nonnengestalt, der sie fortan auch im Alltag verfolgt. Da sie die Visionen für ein schreckliches Omen hält, bittet Lorraine ihren Ehemann Ed (Patrick Wilson), die gemeinsamen Forschungen vorübergehend einzustellen. Parallel muss im fernen London die alleinerziehende Peggy Hodgson (Frances O'Connor) hilflos mitansehen, wie sie und ihre vier Kinder von einer übernatürlichen Präsenz bedrängt werden. Besonders hat es die böse Macht auf die elfjährige Janet (stark: Madison Wolfe) abgesehen, die auf einmal mit der Stimme eines alten Mannes zu sprechen beginnt. Während die Medien den Fall interessiert aufgreifen, bleiben die Behörden größtenteils untätig. Irgendwann wendet sich schließlich die Kirche an die Warrens und bittet die US-Dämonologen, den Spuk im Haus der Hodgsons zu untersuchen.

Ähnlich wie im Vorgänger sind Wan und seine Koautoren darum bemüht, den Zuschauer für die Protagonisten zu interessieren und ihre Beziehungen genauer zu beleuchten, als es im Horrorgenre eigentlich üblich ist. Während wir hautnah erleben, wie Lorraine mit ihren unheilvollen Geistervisionen zu kämpfen hat und die Warrens für ihre Arbeit kritisiert werden, stellt der zweite, umfangreichere Erzählstrang die bemitleidenswerten Hodgsons vor. Erst nach einer guten Stunde finden die beiden Handlungslinien zusammen, was die für einen Spukhausfilm durchaus erstaunliche Laufzeit von 134 Minuten erklärt.

Einmal mehr gelingt es dem Regisseur, eine stimmige, klassisch anmutende Gruselatmosphäre zu erzeugen, wenngleich einige Schockmomente etwas origineller hätten ausfallen dürfen. Ein akribisches Szenenbild, authentische Kostüme und geschmeidige Kamerafahrten entführen das Publikum direkt in die 1970er Jahre und rufen unweigerlich Erinnerungen an das Horrorkino dieser Dekade wach. In der zweiten Hälfte erlaubt sich die auf einem bekannten Spuk-Fall basierende Schauermär kleinere Drehbuchschwächen, überrascht dafür aber mit emotional berührenden Momenten, in denen die Verunsicherung der Figuren mit Händen zu greifen ist. Auch deshalb sticht The Conjuring 2 aus dem sonst sehr durchwachsenen Horror-Sequel-Einerlei positiv hervor.

17.06.2016

4

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Kommentare

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forumuser

vor 2 Jahren

Ich bin kein Horrorfilmfan und eher aus Mangel an Alternativen in diesen Film gestolpert... aber ich muss sagen, dass dieser Film sehr gut gemacht ist, vorallem auch die Musik, alles sehr gruselig und stimmungsvoll, der Eintritt hat sich gelohnt. ich kam emotional auf meine Kosten. Und lieber Horror im Film als im echten Leben.Mehr anzeigen


Mua81

vor 2 Jahren

Als Kinogänger, der den ersten Teil verpasst hat, kann ich nach Anschauen des zweiten Teils nur sagen: Da muss auch Teil 1 noch geschaut werden. Definitiv einer der besten unblutigen Gruselfilme, die ich gesehen habe, fand ihn auch besser als Paranormal Activities, wo mir allerdings auch noch ein Teil fehlt.
Absolut sehenswert.Mehr anzeigen


nick74

vor 2 Jahren

Der Film war eine Enttäuschung, ersten Teil fand ich gut, der zweite Teil kommt nicht in die Nähe des ersten


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