CH.FILM

The Beekeeper and His Son Kanada, Schweiz 2016 – 85min.

The Beekeeper and His Son

Filmkritik

Konflikt der Generationen

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Die tiefgründige, teils sehr emotionale Doku The Beekeeper and his son kreist um den Aspekt der Identitätssuche im ländlichen China. Und: sie legt detailliert das Aufeinanderprallen von ländlichen und städtischen Werten offen.

Maofu kehrt zu seiner Familie zurück, die in einem kleinen Bergdorf im Norden Chinas lebt. Die Jahre als Wanderarbeiter in der Ferne hätte er sich ergiebiger vorgestellt. Sein Vater Laoyu ist ein erfahrender Bienenzüchter, jedoch verlassen den alten Mann langsam die Kräfte. Also hofft dieser, seinem Sohn endlich den Umgang mit den Bienen beibringen zu können. Aber: der 20-jährige Maofu hat andere Vorstellungen von der Bienenzucht als sein alter Herr. Und vom Leben allgemein erwarten beide ohnehin etwas anderes. Gelingt es ihnen, die Kluft zu überwinden?

The Beekeeper and his son ist das Regie-Debüt der chinesischen Filmemacherin Diedie Wenig, die aktuell in Lausanne lebt. Sie studierte „Dokumentarfilm“ in New York und legt mit diesem Werk ihren ersten Langfilm vor. Wenig inszenierte den Film nicht nur, sondern fungierte auch als Kamerafrau. Laut eigenen Aussagen drehte die Filmemacherin The Beekeeper and his son unter anderem um zu verdeutlichen, wie Dorf-Familien mit sozialen Veränderungen umgehen.

The Beekeeper and his son zeigt am Beispiel der Familie um den emotionalen Träumer Maofu, wie in den Dörfern unterschiedliche Welten ganz direkt aufeinanderprallen. Es ist der Kampf zwischen traditionellen und modernen Überzeugungen, der ausgefochten wird, wenn Familienangehörige unterschiedlicher Generationen zusammenkommen. Maofu erscheint dabei als typischer Zwanzigjähriger: er ist nicht wirklich interessiert an der harten Arbeit auf dem Familienhof sondern liest viel lieber in Büchern und würde die elterliche Bienenzucht gerne nach den Regeln des modernen Marketing aufziehen.

Mit diesen Ideen stößt er bei seinem 71-jährigen Vater, einem mürrischen Vertreter der alten Schule, auf wenig Verständnis. Regisseurin Wenig hat das Glück über starke, interessante Charaktere zu verfügen. Und vor allem: über gegensätzliche. So kommt es immer wieder zu Reibereien und Streitigkeiten. Diese äußern sich weniger in Worten als vielmehr durch Gesten, Blicke und nonverbale Äußerungen wie (unüberhörbare) Seufzer. Weng hat ein Talent dafür, diese flüchtigen Stimmungen und Momentaufnahmen mit der Kamera einzufangen: Damit macht sie die angespannte Atmosphäre auf dem spärlich ausgestatteten Hof mit einfachsten Mitteln deutlich.

Der innere Konflikt Maofus ergibt sich aus der Frage, ob er zum Studieren in die Stadt gehen oder lieber bei seinen Eltern bleiben soll, um den Hof zu übernehmen. Denn der immer weiter voranschreitende körperliche Verfall seines Vaters bleibt auch dem 20-jährigen Melancholiker freilich nicht verborgen.

17.07.2017

4

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