The Accountant USA 2016 – 128min.

The Accountant

Filmkritik

Mit Grips und Durchschlagskraft

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Ben Affleck als Zahlenkünstler und knallharter Nahkämpfer mit Asperger-Syndrom. Gavin O'Connors The Accountant lässt ungewöhnliche Thriller-Spannung erwarten, leidet aber unter tonalen Schwankungen und einer zuweilen arg schematischen Erzählweise. Das Ergebnis: Eine unausgereifte Mischung aus Actionreißer, Finanzkrimi, Charakterdrama und schwarzer Komödie.

Vor den Toren Chicagos betreibt der autistische Christian Wolff (Ben Affleck) ein kleines Steuerbüro in einer unscheinbaren Ladenzeile. Was niemand ahnt: Nebenbei betätigt er sich als Geldwäscher für Verbrechersyndikate und hat sich damit ein ansehnliches Vermögen erwirtschaftet. Eines Tages wird die US-Steuerbehörde auf den Handlanger aufmerksam, der immer wieder bei konspirativen Treffen zu sehen ist. Mit dem Aufspüren des unbekannten Mannes betraut der ehrgeizige Finanzermittler Raymond King (J. K. Simmons) die junge Mitarbeiterin Marybeth Medina (Cynthia Addai-Robinson), die fortan Wolffs Fährte aufnimmt. Der Gesuchte wendet sich unterdessen einem neuen Auftrag zu, der ihn in ein erfolgreiches Robotik-Unternehmen führt, wo die Buchhalterin Dana Cummings (Anna Kendrick) über Unregelmäßigkeiten gestolpert ist. Ein brisanter Job, der irgendwann erste Todesopfer fordert.

Intelligenz und Rambo-Qualitäten gehen in The Accountant Hand in Hand, was angesichts des nüchternen Titels durchaus überraschen muss. Wird Wolff noch als anzugtragender Biedermann mit zwanghaften Verhaltensweisen eingeführt, zeichnet sich mehr und mehr seine dunkle Seite ab, die auf eine knallharte Erziehung durch seinen Vater zurückzuführen ist. Sonderlich raffiniert binden O’Connor und Drehbuchautor Bill Dubuque die Rückblenden in die Kindheit des Protagonisten leider nicht in das gegenwärtige Geschehen ein. Und auch die sicherlich beabsichtigte Vertiefung seines Charakters hält sich eher in Grenzen. Obwohl die Spannungskurve in manchen Szenen nach oben ausschlägt, erwächst aus den von King und Medina vorangetriebenen Nachforschungen keine echte Dringlichkeit, da der Ermittlerstrang zuweilen komplett aus dem Blickfeld gerät. In der Konsequenz muss sich ein begnadeter Schauspieler wie J. K. Simmons mit wenigen, langweiligen Erklär-Szenen abspeisen lassen.

Begrüßenswert ist es allemal, dass die Macher dem Zuschauer keinen Thriller von der Stange vorsetzen wollen. Und doch irritiert der häufige Wechsel zwischen spannungssteigernden, actionreichen und schwarzhumorigen Momenten sowie die Tatsache, dass Wolffs Entwicklungsstörung die meiste Zeit für Situationskomik ausgeschlachtet wird. Gut choreografierte Kampfsequenzen und einige Plot-Twists können das unbefriedigende Gefühl am Ende ebenso wenig abfedern wie die recht überzeugende Darbietung Ben Afflecks, der den Buchhalter zwischen absoluter Beherrschung und drastischen Gewaltausbrüchen hin- und herschwanken lässt.

14.11.2016

2

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Kommentare

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oscon

vor 2 Jahren

Stimmiger Thriller um einen autistischen Steuerberater, der als Geldwäscher für Verbrechersyndikate arbeitet und sich dabei die US-Steuerbehörde, sowie engagierte Killer vom Hals halten muss, welche irgendwie in Zusammenhang mit seinem aktuellen Auftrag stehen müssen.
Überzeugend spielt Ben Affleck den Hauptprotagonisten, der seine Zwanghaftigkeit kontrollieren muss und aufgrund seiner strengen militärischen Erziehung mit gross-kalibrigen Waffen seine Peiniger auf Distanz hält.
Überraschend!Mehr anzeigen


Barbarum

vor 2 Jahren

Wer in der Lage ist, über den Plot nicht allzu viele Gedanken zu verschwenden, muss sich auch nicht aufregen und wird eine sehr vergnügliche Zeit haben.


buono

vor 2 Jahren

fängt eigentlich ganz harmlos an und entwickelt sich, eine spezielle Persönlichkeit die fesselt, für mich recht gut gemacht


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