Oasis: Supersonic Grossbritannien 2016 – 122min.

Oasis: Supersonic

Filmkritik

Mein liebster Feind

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

Oasis war Mitte der Neunzigerjahre eine der grössten Bands der Welt. Die Doku Oasis: Supersonic beleuchtet Gründung und Aufstieg der Britpop-Gruppe, und legt dabei den Fokus auf das ungleiche Brüderpaar Liam und Noel Gallagher.

Eigentlich hätten Oasis auch zweieinhalb Millionen Tickets verkaufen können. So gigantisch gross war die Nachfrage für ihre beiden Shows, die sie am 10. und 11. August 1996 im englischen Knebworth spielten. Schlussendlich waren es immer noch imposante 250 000 Fans, welche dem grössten Triumph der Band aus Manchester beiwohnten.

Knebworth ist der Fluchtpunkt der Doku Oasis: Supersonic, die nach ihrer Eröffnung im Jahr 1991 ansetzt, um den Werdegang der Gruppe nachzuerzählen. Das Schema gleicht vielen Beispielen der Rockmusik: Dem täglichen Leben enteilen wollend, gründen ein paar Loser aus Langeweile eine Band, die erst einmal sträflich unbeachtet bleibt. Jedoch mischt sich eines Tages der Zufall ein, der in einem Plattenvertrag und – so jedenfalls bei Oasis – sehr schnell in grossem Ruhm mündet. Dann formen die übersteuerten Twens fleissig ihre Bandlegende mit Exzessen, Pöbeleien und betonter Unbescheidenheit.

Die Geschichte dieser Gruppe ist aber auch die Geschichte zweier ungleicher Brüder. Liam Gallagher ist der jüngere, gesegnet mit einer grossartigen Stimme, aber auch mit einem aufbrausenden, kapriziösen Wesen. Noel, der von Liam in die Band geholt wird, ist berechnender, tiefgründiger, ein Macher, der die Songs schreibt und Leute feuert. Wenn am Anfang des Films die Band Cain und Abel zum Thema macht, so ist dies kein so falscher Vergleich. Zum Brudermord kommt es zwar nicht, mitunter ist aber auch mal ein Hieb mit dem Cricketschläger nötig, um ein Argument durchzusetzen.

Regisseur Mat Whitecross hat sich grosse Mühe gemacht, dieses komplexe Verhältnis der beiden Brüder herauszuarbeiten. Es ist die Hassliebe zweier Egos, die sich bald so kongenial ergänzen wie John Lennon und Paul McCartney, bald die Band an den Rand der Auflösung bringt. Gemeinsam ist den Brüdern die Liebe zu ihrer aufopfernden Mutter und der Hass zum Vater, der die Familie tyrannisierte, was Spuren in den Leben beider Brüder hinterliess.

Oasis: Supersonic treibt mit einer Atemlosigkeit voran, die Parallelen zum kometenhaften Aufstieg der Band aufweist. Collagen, Bilder, wacklige Videos jagen sich, während die Bandmitglieder und ihr Umfeld aus dem Off erzählen. Trotz der Namenseinblendung tut man sich da bisweilen schwer, die Leute auseinanderzuhalten. Ansonsten ist die Doku bestens geraten und für Fans ein absolutes Muss, für Neutrale durchaus ein Vergnügen, für Oasis-Schmäher vielleicht doch noch ein Grund zur Konversion.

14.11.2016

4

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Kommentare

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güx

vor einem Jahr

Ich liebe die Musik von Oasis, aber diese Doku ist misslungen. Erstens ist sie viel zu lang und extrem unspannend, zweitens schwanken die Bandmitglieder (die nicht die Allerhellsten sind) zwischen kitschigem Pathos und akutem Grössenwahn. Und dieses "You know what I mean?" ging mir schon nach 2 Minuten auf den Senkel - leider wird es den ganzen Film lang gefühlsmässig alle 2 Sekunden gesagt. Rauseditieren!!
Sich selbst als beste (britische) Band zu bezeichnen, grenzt angesichts der Existenz der Fab Four - die um einiges bescheidener rüberkommen, aber viel mehr erreicht haben - an Blasphemie. Unterm Strich aber einfach eine schlecht gemachte, unnötige Doku mit den Grosskotzigen aus Manchester.Mehr anzeigen


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