Lion - Der lange Weg nach Hause Australien, Grossbritannien, USA 2016 – 118min.

Lion - Der lange Weg nach Hause

Filmkritik

Heimat suchen und finden

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Manchmal schreibt das Leben außergewöhnliche Geschichten, die man nicht besser erfinden kann. Von einer unglaublichen, aber wahren Begebenheit erzählt das Drama Lion, das auf dem Erlebnisbericht "A Long Way Home" von Saroo Brierley basiert und 2016 beim Zurich Film Festival seine Schweizer Premiere feierte.

Auf der Suche nach seinem großen Bruder (Abhishek Bharate) verirrt sich der kleine Saroo (Sunny Pawar) in einen stehenden Zug und schläft dort vor Erschöpfung ein. Einige Zeit später erwacht er in der fahrenden Bahn, die irgendwann im 1600 Kilometern entfernten Kalkutta ankommt. Verängstigt stolpert der Fünfjährige durch die Straßen der wuseligen Metropole und gelangt auf Umwegen in ein Kinderheim, das ihn zur Adoption freigibt, da die Behörden seine Mutter angeblich nicht ausfindig machen können. Der Junge wird schließlich in die Obhut des australischen Ehepaares Sue (Nicole Kidman) und John Brierley (David Wenham) gegeben und wächst fortan in behüteten Verhältnissen auf. Viele Jahre später entwickelt Saroo als Student (nun: Dev Patel) plötzlich das Verlangen, seine Familie wiederzusehen, und sucht mithilfe des Internetdienstes Google Earth verzweifelt nach seinem Heimatort.

Bereits mehrere Schauspielpreise durfte Dev Patel für seine Darbietung in Lion entgegennehmen, die zweifelsohne Lob und Anerkennung verdient. Die eigentliche Sensation des biografischen Dramas ist allerdings Kinoneuling Sunny Pawar, der Saroos Verlorenheit und seinen unbändigen Überlebenswillen gleichermaßen ergreifend transportiert. Dank seiner famosen Performance gerät die erste Hälfte zu einem intensiven Erlebnis, bei dem das Publikum ungebrochen mitfiebern und kaum auf Taschentücher verzichten kann. Ohne allzu pathetische Gesten skizziert der Film die Odyssee des kleinen Jungen und versetzt uns direkt in seine Perspektive, indem die Kamera oftmals auf der Sichthöhe des Fünfjährigen bleibt. Die Orientierungslosigkeit im Gewimmel Kalkuttas und die Bedrohlichkeit mancher Momente fühlen sich dadurch umso glaubhafter an.

Etwas schwächer wirkt im Vergleich die zweite Hälfte, die um die Zerrissenheit des erwachsenen Saroo zwischen seiner australischen Existenz und seiner indischen Herkunft kreist. Berührend ist sicherlich auch dieser Teil. Regisseur Garth Davis (Top of the Lake) setzt nun aber vermehrt auf melodramatische Elemente und vergisst dabei manchmal, das Identitätschaos der Hauptfigur in all seinen Facetten zu ergründen. Schön wäre es außerdem gewesen, wenn Lion das Phänomen der internationalen Adoption noch umfassender problematisiert hätte. Besonders am Beispiel von Saroos Adoptivbruder Mantosh (Divian Ladwa) nimmt der Film kritische Aspekte in den Blick. Unter dem Strich bleiben diese spannenden Brüche allerdings eher Randerscheinungen.

27.02.2017

3

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Kommentare

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korabe

ich hatte mehr erwartet, zu langatmig die Suche, zu wenig emotional. Einzig die Szenen, die in Indien gespielt haben , waren perfekt

Lion - Der lange Weg nach Hause 3

Lolipop

Danke Garth Davis!! Dank Lion verliere ich nicht die Hoffnung, dass es bald keine guten Filme mehr gibt. Lion ist von A-Z perfekt!

Lion - Der lange Weg nach Hause 5

paipai

Ein sehr berührender Film. Taschentücher einpacken.

Lion - Der lange Weg nach Hause 5

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