Gimme Danger USA 2016 – 108min.

Gimme Danger

Filmkritik

Die psychedelischen Stooges

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Es ist ein ungewöhnliches Projekt, dessen sich Jim Jarmush mit Gimme Danger angenommen hat. Er ist eigentlich für seine Independent-Produktionen bekannt, für seine persönlichen und kleinen Geschichten, aber das passt auch auf diese Dokumentation, denn schon als Teenager war Jarmush ein Fan der Band The Stooges. Jarmush war noch ein junger Filmstudent, der ganz und gar in der Post-Punk-Szene New Yorks aufging. Iggy Pop, den Sänger der Stooges, lernte er erst viel später kennen. Aber beide wurden Freunde – und das war die Saat für diese Dokumentation.

In den 1960er Jahren schlugen The Stooges mit ihrem gewaltigen Stil wie eine Bombe in der damaligen Musiklandschaft ein. Sie fanden nicht nur Fans. Ihre Arbeit wurde als brutal, aggressiv, verkommen, unhörbar beschrieben, aber sie fanden mit ihrem Mix aus Rock, Blues, R&B und Free Jazz ihre Fans. Mit ihrer Musik legten sie den Grundstein für das, was später Punk und Alternative Rock werden sollte. Jim Jarmush zeichnet die Geschichte der Stooges nach – mit Iggy Pop im Mittelpunkt, der sich an den harten Weg zum Erfolg der Band erinnert.

Jim Jarmush und Iggy Pop waren schon über Jahrzehnte hinweg Freunde, als der Musiker den Wunsch äusserte, dass der Filmemacher doch eine Dokumentation über die Geschichte der Stooges machen könnte. Das war vor acht Jahren – so lange brauchte Jarmush, um Gimme Danger fertigzustellen, denn dass er es machen wollte, wusste er vom ersten Moment, da Iggy Pop das Thema aufbrachte. Zum 70. Geburtstag des Musikers ist der Film nun fertig und erzählt die wilde und ausschweifende Geschichte einer Band, die den Rock’n’Roll für immer verändert hat.

Gimme Danger ist ganz den Stooges gewidmet. Entsprechend bricht die Geschichte abrupt ab, als die Band sich 1973 auflöste. Danach folgt der Zeitsprung ins Jahr 2003, als es das Revival der Band gab. Die Jahre dazwischen werden mit ein paar Worten gestreift. Das gilt auch für die Solo-Karriere von Iggy Pop. Das ist aber nur passend, da es um die Band geht. Und es ist Iggys eigenem Stil angemessen, denn er hat beim Schreiben seiner Songs immer darauf geachtet, präzise zu sein und auf den Punkt zu kommen. Dies hat auch Jarmush verinnerlicht, der sich ganz und gar auf die Band konzentriert. Entsprechend gibt es nur Interviews mit den Mitgliedern und Menschen, die in enger Verbindung zu den Stooges standen. Dabei hat Iggy Pop die grösste Präsenz, aber auch er spricht nicht über sich oder seine eigene Karriere, sondern konzentriert sich ganz und gar auf den Aufstieg und Fall der Band.

Gimme Danger ist eine hervorragende Dokumentation. So gut, dass dieses Stück Musikgeschichte sogar dann zu interessieren versteht, wenn man kein Fan der Stooges ist.

17.07.2017

4

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