Frantz Frankreich, Deutschland 2016 – 113min.

Frantz

Filmkritik

Schatten des Krieges

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

In seinem jüngsten Werk nimmt Star-Regisseur François Ozon (Une nouvelle amie) das Verhältnis von Deutschen und Franzosen kurz nach dem Ersten Weltkrieg in den Blick. Grundlage des vorwiegend in Schwarz-Weiß gedrehten Melodramas ist der heute fast vergessene Ernst-Lubitsch-Film Broken Lullaby, der die Bedeutung der Versöhnung nachdrücklich betont.

Die deutsche Kleinstadt Quedlinburg im Jahr 1919: In stiller Trauer besucht Anna (Paula Beer) jeden Tag das Grab ihres in Frankreich gefallenen Verlobten Frantz (Anton von Lucke), an dem auch ein Fremder (Pierre Niney) Blumen niederlegt. Als Anna den jungen Mann anspricht, stellt er sich als Adrien vor und behauptet, ein Freund von Frantz aus Paris zu sein. Auch wenn sie zunächst nicht weiß, wie sie die Begegnung einordnen soll, lädt Anna den jungen Mann nur wenig später in das Haus ihrer Schwiegereltern Hans (Ernst Stötzner) und Magda Hoffmeister (Marie Gruber) ein, da Adrien ausführlicher berichten könnte, was Frantz vor seinem Tod erlebt hat. Während es dabei mit der Zeit zu einer Annäherung kommt, sorgt die Anwesenheit des Franzosen bei anderen Bewohnern der kleinen Ortschaft für Aufregung und Empörung.

Wie so oft in seinem Schaffen spielt François Ozon auch hier mit Erinnerungen und den Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Adriens Erzählungen tragen entscheidend dazu bei, dass Anna und die Eltern ihres Verlobten den erlittenen Verlust besser verarbeiten können. Gleichzeitig wirkt der Franzose stets wie ein Getriebener, der einen rätselhaften inneren Kampf ausficht. Als Projektionsfläche dient er auch den nationalistisch gesinnten Einheimischen, die in ihm bloß den Erzfeind sehen und seine Präsenz als Zumutung empfinden. Die Wut und der Schmerz über die Niederlage und die Folgen des Krieges sind – das wird schon sehr früh deutlich – noch lange nicht überwunden.

Obwohl Ozon eigentlich als raffinierter Geschichtenerzähler bekannt ist, wirken einige Passagen in Frantz enttäuschend oberflächlich. Nebenfiguren wie Annas Verehrer Kreutz (Johann von Bülow) bleiben skizzenhaft. Erkenntnisse des Krieges werden manchmal allzu thesenhaft vorgetragen. Und gelegentliche Kitschanflüge harmonieren nur bedingt mit der größtenteils nüchternen Aufmachung des Films. Dass das Interesse am Geschehen dennoch erhalten bleibt, ist vor allem Paula Beer zu verdanken, die Annas langsam erwachende Zuneigung für Adrien und ihre Gefühle im Allgemeinen trotz eines zurückgenommenen Spiels einprägsam vermittelt. Eine Leistung, für die sie beim diesjährigen Filmfestival in Venedig zu Recht als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet wurde.

14.10.2016

3

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Kommentare

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Patrick

Frantz erinnert von der Machart und Bildtechnisch her an Das weiße Band von der Story her an Sommersby aber dennoch ist es ein tüpischer François Ozon Film.Paula Beer und Pierre Niney spielen einfach Großartig,Pierre Niney ist ab dem 08.12.16 in einem ebenso großartigem Film namens L ODYSSÉE(mehr Infos auf dieser Seite)zu sehen.

Frantz 5

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