Flatliners USA 2017 – 110min.

Flatliners

Filmkritik

Wiederbelebung misslungen

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Remakes sind immer dann eine Bereicherung, wenn sie eine neue Perspektive auf den Ursprungsstoff bieten und diesen dadurch weiterentwickeln. Langweilig ist hingegen eine schlichte Reproduktion der alten Muster, wie das Beispiel Flatliners beweist. Niels Arden Oplevs Auffrischung von Joel Schumachers gleichnamigem Thriller aus dem Jahr 1990 dreht zwar an kleinen Stellschrauben, ist von echtem Innovationsgeist aber meilenweit entfernt. Vorgesetzt bekommt der Zuschauer einen gelackten, nur selten unter die Haut gehenden Mystery-Streifen, der mit seiner eigentlich reizvollen Nahtodthematik nicht viel anzufangen weiß.

Getrieben von ihrem Wissensdurst, möchte die Medizinstudentin Courtney (Ellen Page) um jeden Preis die Vorgänge im menschlichen Gehirn an der Schwelle zum Jenseits erforschen. Einen großen Durchbruch erhofft sie sich von einem gefährlichen Selbstversuch, bei dem sie ihr eigenes Herz künstlich zum Stillstand bringt, den ihre Kommilitonen Jamie (James Norton) und Sophia (Kiersey Clemons) nach 60 Sekunden beenden sollen. Da die beiden angehenden Ärzte ihre Freundin allerdings nicht, wie geplant, ins Leben zurückholen können, eilt ihnen Vorzeigestudent Ray (Diego Luna) zu Hilfe, in dessen Schlepptau auch die Kollegin Marlo (Nina Dobrev) in den Kellerräumen der Ausbildungsklinik auftaucht. Als die erfolgreich wiederbelebte Courtney kurz nach ihrer Nahtoderfahrung erkennt, dass ihr Gedächtnis plötzlich viel leistungsstärker ist als vorher, treten auch ihre Mitstreiter Reisen in die Zwischenwelt an. Schon bald werden die experimentierfreudigen Jungmediziner jedoch von unheimlichen Visionen verfolgt.

Trotz einiger Abwandlungen orientiert sich Ben Ripleys Drehbuch stark an der Geschichte, die Peter Filardi für das Original entwickelte, bei dem es sich nicht um einen visionären Klassiker, sondern allenfalls um routinierte Thriller-Ware handelt. Abgesehen von der lobenswerten Tatsache, dass die Studentengruppe nun ethnisch und geschlechtlich ausgewogener daherkommt, hat das von Niels Arden Oplev (Dead Man Down) inszenierte Remake keine spannenden neuen Einfälle zu bieten. Unverständlich ist angesichts des immer schnelleren wissenschaftlichen Fortschritts, warum die Macher die aufgeworfenen ethischen Fragen, die schon im Ursprungsfilm zu kurz kamen, nur oberflächlich streifen. Als Stimme der Vernunft darf Ray einige kritische Bemerkungen fallen lassen. Ernsthaft seziert wird das fragwürdige Verhalten der Protagonisten aber nicht.

Spätestens ab der Hälfte muss sich das Publikum mit standardisierten Geisterbahneffekten zufrieden geben, die das durchaus interessante Nahtodszenario auf das Niveau einer gewöhnlichen, optisch selten erinnerungswürdigen Horrormär mit formelhaften Gefühlsmomenten herunterstutzen. Als Hypothek erweist sich dabei zunehmend die holzschnittartige und unsympathische Zeichnung der Hauptfiguren, denen das Drehbuch, analog zum Original, spezielle Traumata und Verfehlungen auf den Leib schreibt. Erzählklischees, die das Interesse nicht steigern können.

04.12.2017

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Kommentare

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Mua81

vor einem Jahr

Ohne die Ursprungsfassung zu kennen, hat mich dieses Werk doch angenehm überrascht. Gute Unterhaltung, keine Langeweile, und auch der ein oder andere Schauermoment.


nick74

vor einem Jahr

Erste Hälfte des Films ist sehr vielversprechend, jedoch hat mich die zweite Hälfte enttäuscht. Da hätte man viel mehr draus machen können, Schade. Sutherland und Page hätten auch mehr Spielzeit verdient. Sutherland kommt komplett zu kurz.


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