Deadpool Kanada, USA 2016 – 108min.

Filmkritik

Um kein Wort verlegen

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Nun also doch: Nach langem Hin und Her darf der Marvel-Antiheld Deadpool in einem eigenen Film Sprüche klopfen und seine Gegner mit lässiger Attitüde aus dem Weg räumen. Eine Figur wie gemacht für das postmoderne Zeitalter, da sie in der Popkultur bestens bewandert ist und ihr Handeln ständig sarkastisch kommentiert.

Als der Söldner Wade Wilson (Ryan Reynolds), der früher als Soldat in einer Spezialeinheit diente, die Prostituierte Vanessa Carlysle (Morena Baccarin) kennenlernt, ist das der Beginn einer stürmischen Liebesgeschichte. Eine Krebsdiagnose macht den Traum vom gemeinsamen Glück jedoch mit einem Schlag zunichte, bis Wade auf ein geheimes Forschungsprogramm aufmerksam wird, das seine Krankheit angeblich stoppen kann. Nach der Behandlung durch den sadistischen Ajax (Ed Skrein) verfügt der Söldner zwar über bemerkenswerte Selbstheilungskräfte, ist äußerlich aber vollkommen entstellt und psychisch lädiert. Von nun an sinnt er, gekleidet in einen rot-schwarzen Anzug mit Maske, als Deadpool auf Rache.

Seine erste Leinwandperformance erlebte der scharfzüngige Comic-Protagonist in X-Men Origins: Wolverine. Weite Teile des Publikums zeigten sich allerdings enttäuscht von Ryan Reynolds‘ Gastauftritt, da die charakteristischen Merkmale der Figur nicht ausreichend zum Tragen kamen. Seither bemühte sich der kanadische Schauspieler, der 2011 als Superheld im Blockbuster-Flop Green Lantern zu sehen war, intensiv um eine zweite Chance. Und siehe da, der Einsatz hat sich gelohnt.

Deadpool zeichnet sich nicht nur durch eine blutig-rüde Gangart aus, sondern sprüht, so wie man es aus den Vorlagen kennt, regelrecht vor selbstironischen Momenten. Angefangen bei der bewusst überzeichneten Vorspannsequenz über ständige Filmzitate und Verweise auf Studiopraktiken bis hin zur direkten Ansprache des Zuschauers lässt Spielfilmdebütant Tim Miller keine Gelegenheit aus, um die Comic-Adaption auf eine Metaebene zu heben. Plumpe Provokationen vermischen sich dabei mit cleveren Einfällen – etwa wenn sich der von Reynolds schwungvoll verkörperte Titelheld über eine doppelte Brechung der vierten Wand amüsiert.

Obwohl Deadpool im Großen und Ganzen eine eher banale Rachegeschichte erzählt und der Bösewicht wenig charismatisch ausfällt, sorgen wiederholte Zeitsprünge und der Ritt durch diverse Genre-Welten – unter anderem Romanze, Horrorfilm und Actionthriller – für erstaunlich viel Abwechslung. Am Ende steht sicher kein großes Meisterwerk. Dafür aber eine erfrischend kurzweilige Alternative zu den konventionelleren Superheldenabenteuern des offiziellen Marvel Cinematic Universe.

15.02.2016

4

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Kommentare

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teodor456

vor einem Jahr

coool


dulik

vor 2 Jahren

Ein Superheldenfilm, der eigentlich gar keiner ist. Der Antiheld „Deadpool“ fungiert hier als frecher Sprücheklopfer und bewegt sich dabei häufig unter der Gürtellinie und durchbricht dabei mehrfach die vierte Wand. Dies ganz zur Freude des Zuschauers; denn obwohl die Handlung das Rad nicht neu erfindet, wird man hier köstlich unterhalten. Dies unter anderem wegen der grandiosen Action, in erster Linie aber wegen den Gags und Anspielungen, die hier am Laufband serviert werden. Ryan Reynolds ist wie für diese Rolle geschaffen und sein grosses Engagement, welches er in diesen Film steckte, hat sich sichtlich gelohnt.
9/10Mehr anzeigen


Barbarum

vor 4 Jahren

Gut, die Handlung ist im Hinblick auf den zweiten Teil, der ja schon geplant sein soll, doch noch ausbaufähig. Dafür sorgt "Deadpool" jetzt schon für ordentlich frischen Wind, R-Rated, zwischen den sonstigen "Sauberhelden". Selbstironie sei dank und dem sinnvoll eingesetzten brechen der Vierten Wand.Mehr anzeigen


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