Die irre Heldentour des Billy Lynn China, Grossbritannien, USA 2016 – 113min.

Filmkritik

Die Kunst der Inszenierung

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Der junge Soldat Billy Lynn kehrt als traumatisierter Mann aus dem Irak zurück. In den USA stilisiert ihn das Militär später zum Helden eines schmutzigen Kriegs. Das Kriegs-Drama Billy Lynn's Long Halftime Walk macht anhand gestochen scharfer, plastischer Bilder sowie satirischer Elemente, den Irrsinn der Kriegs-PR sowie die Realitäts-Verzerrung durch das Militär, deutlich.

Mit 19 Jahren muss Soldat Billy Lynn (Joe Alwyn) in den Irak. Dort erlebt er die Schrecken des Krieges. Nach einem blutigen Feuergefecht, ist für Billy und seine Kameraden die Zeit im Irak – vorerst – beendet. In der Heimat werden sie zu Siegern stilisiert und auf Heldentour geschickt. Pathetischer Höhepunkt ist die Halbzeitshow des Thanksgiving-Footballspiels, das Millionen TV-Zuschauer sehen. Während ihn das ganze Land feiert, kommen in Billy immer wieder die Erinnerungen an die schreckliche Zeit im Irak hoch.

Vier Jahre nach seinem bildgewaltigen Abenteuer-Drama Life of Pi, kehrt Regisseur Ang Lee mit Billy Lynn's Long Halftime Walk zurück auf die große Leinwand. Für seine Mischung aus Drama, Kriegsfilm und Satire standen dem Filmemacher 48 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Die Dreharbeiten fanden im Frühling 2015 im US-Bundesstaat Georgia statt. Die im Irak spielenden Szenen entstanden in Marokko.

Die Kriegsgeschehnisse im Irak stehen hier im krassen Gegensatz zur pathetischen Inszenierung der Soldaten als Kriegshelden. Mit Erfolg: in den USA verdrängen weite Teile der Bevölkerung die Kriegsrealität. Exemplarisch für diesen Riss sowie die große Widersprüchlichkeit innerhalb in der US-Gesellschaft, stehen Billy Lynn und seine traumatischen Kriegs-Erlebnisse.

Lee verleiht diesem Gegensatz Nachdruck, indem er in die rauschhaft-farbenfrohe, von Musik und Feuerwerk-Bombast untermalte Inszenierung im Stadion immer wieder unerwartet unterbricht. Durchbrochen werden die – gestochen scharfen – Bilder der pompösen, an Künstlichkeit nicht zu überbietenden Show von den Erinnerungen Billys an die Kampfhandlungen. Auf Hochglanz polierter Vermarktungs-Krieg im Stadion auf der einen Seite. Der unnachgiebige, dreckige Irakkrieg im heißen Wüstensand Vorderasiens, auf der anderen.

Diese Gegenüberstellung der Szenen macht den ganzen Wahnsinn sowie den Selbstbetrug weiter Teile der US-Gesellschaft deutlich. Und sie gibt die PR-Maschinerie des Militärs der Lächerlichkeit preis. Die satirischen Elemente manifestieren sich vor allem in den bitterbösen, sarkastischen Dialogen sowie einiger Tagtraum-Sequenzen Billys während der Feierlichkeiten. Und: in den immer gleichen Worthülsen und inhaltsleeren Phrasen, die die Soldaten von sich geben müssen. Newcomer Joe Alwyn liefert in seiner ersten großen Filmrolle darüber hinaus eine ungemein abgeklärte, mitreißende Darbietung als junger, traumatisierter Soldat.

04.01.2017

4

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