Ballerina Kanada, Frankreich 2016 – 89min.

Ballerina

Filmkritik

Tanz dich frei!

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Sollte die französisch-kanadische Koproduktion Ballerina als Angriff auf die großen US-Animationsarbeiten gedacht sein, geht der Schuss leider nach hinten los. Vor allem in puncto Erzählfinesse bleibt das auf Englisch gedrehte Familienabenteuer hinter ergreifend-gewitzten Werken wie Alles steht Kopf oder Findet Dorie zurück.

Frankreich im 19. Jahrhundert: In einem Waisenhaus in der Provinz träumen die 12-jährige Félicie (Originalstimme: Elle Fanning) und ihr bester Freund Victor (Dane DeHaan) von einer erfolgreichen Zukunft. Das abenteuerlustige Mädchen möchte unbedingt eine große Balletttänzerin werden und der technisch begabte Junge ein berühmter Erfinder. Von allen anderen belächelt, nehmen sie eines Nachts Reißaus und schlagen sich bis in die französische Hauptstadt durch, wo sie fürs Erste jedoch voneinander getrennt werden. Während Victor seiner Bestimmung nacheifert, gelingt es seiner aufgeweckten Freundin mit einem Trick, einen Platz im Ausbildungsprogramm des Pariser Opernhauses zu ergattern. Die Mutter einer anderen talentierten Tänzerin macht Félicie allerdings das Leben schwer, da sich die Ballerina vom Lande für die Aufnahme an der Akademie als ihre Tochter ausgegeben hat.

"Lebe deinen Traum!" Das in unzähligen Animationsfilmen durchgekaute Motto bestimmt auch diesen Beitrag, der schon in der Eröffnungspassage seine wenig subtile Erzählweise offen zur Schau stellt. Das Waisenhaus ist ein düsterer, unbequemer Ort, an dem größere Ambitionen sofort im Keim erstickt werden. Die strengen, kaltherzigen Aufseherinnen halten die Kinder klein, weshalb es nicht verwundern muss, dass unsere Helden das Weite suchen, als sich die Gelegenheit dazu bietet.

Nach einer rasanten, mitreißenden Flucht landen wir im Paris des Jahres 1879, das die Regisseure Eric Summer und Éric Warin zusammen mit ihren kreativ-technischen Mitarbeitern als einen lebendigen Schauplatz inszenieren. Dessen Detailreichtum ist allerdings weit entfernt von den Maßstäben, die Disney- und Pixar-Werke heutzutage setzen. Sind die farbenfrohen Bilder noch hübsch anzuschauen, verliert der Film durch seinen formelhaften Plot und seine eindimensionalen Figuren – besonders stereotypisch: die Mutter der Tanzkontrahentin – mit zunehmender Dauer an Reiz. Félicie und Victor treten sicherlich sympathisch auf und verfolgen ehrbare Ziele. Wie das Drehbuch die Entwicklung der beiden Protagonisten abspult, ist jedoch enttäuschend klischeehaft. Etwas irritierend wirken mit Blick auf das historische Setting außerdem die modernen Popsongs, die das Geschehen regelmäßig begleiten und in aller Deutlichkeit kommentieren.

13.01.2017

2

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Kommentare

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Yvo Wueest

Mit meiner Tochter (9) besuche ich auf ihren Wunsch diesen für meine Augen zu schnell geschnitten und reichlich dynamischen 3-D-Film. Wir lachten, staunten und erfreuten uns an vielen Szenen. Das Spiel der Lichter, der Schattenwurf in einem erst noch zu erbauenden Paris, ist gut eingefangen. Fragwürdig scheint mir die überholte Zeichnung der Figuren: Das Mädchen träumt von Anerkennung und Ruhm auf der Tanzbühne; während der Junge seine kognitiven Fähigkeiten in der Werkstatt von Gustave Eiffel beweist. Die enervierenden und auf Empowerment ausgerichteten Popsongs (“What’s wrong with being confident?”) schliesslich erinnerten an irrtümliche Begegnungen mit "Motivations-Kassetten" im ausgeliehenen Auto des Nachbarn, einem Versicherungsvertreter.
Wer in den grossen Studios hat den Mut, einen solchen Plot einmal umzudrehen und statt dem angesteuerten und absehbaren Happy-End den Kids einen offenen Schluss zuzutrauen?

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