CH.FILM

Alpzyt Schweiz 2016 – 90min.

Filmkritik

Leben im Einklang mit Tier und Natur

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Die meditativ anmutende und mit hypnotischen Naturbildern garnierte Doku lässt den Zuschauer am Alltag der Alpen-Bergbauern teilhaben. Die Zeit auf der Alp ist geprägt von Entbehrungsreichtum, harter Arbeit und Unsicherheiten – aber auch von Idylle und Harmonie inmitten einer unbeschreiblich schönen Natur.

Z'Alp porträtierte 2013 drei Familien im Rahmen des beschwerlichsten aber auch größten Ereignisses für einen Bergbauern im ganzen Jahr: dem Alpaufzug. Drei Jahre später sieht man in Alpzyt nun die Familien von damals innerhalb der Abgeschiedenheit romantischer, idyllischer Landschaften und rauer Berge während des Sommers. Der Film macht aber auch klar, dass das Überleben von der Alpwirtschaft immer auch von Zufällen und Umständen abhängt, die nicht beeinflussbar sind: vom Wetter, möglichen Erkrankungen der Tiere bis hin zur Frage, wie lange das Gras auf den Weiden für die Tiere reichen mag.

Regisseur Thomas Rickenmann kehrte zu den Familien zurück, die er in Z'Alp beim Alpaufzug begleitete: auf die Engstligenalp im Berner Oberland, die Innerrhoder Altenalp im Alpstein sowie die im Kanton Schwyz gelegene Erigsmatter Alp. Nachdem sich Rickenmann im letzten Jahr mit der Doku Chiquitos den Riten und Bräuchen der Mayas widmete, steht hier nun das Überleben in der rauen Romantik der Bergwelt im Zentrum.

Nachdem es in Z'Alp noch viele schmerzvolle Ereignisse gab – von einer in die Tiefe gestürzten Kuh bis hin zu Tieren, die beim Alpaufzug zurückgelassen werden mussten – ist Alpzyt weit mehr von harmonischen Szenen durchzogen. Mehr noch als beim Vorgänger sind es etwa die elegischen, langen Kamerafahrten über die Berge mit ihren saftig grünen Weiden, die eine fast hypnotische Wirkung erzeugen. Weiter unten ist Regisseur Rickenmann dann immer ganz nah bei den Protagonisten und ihrem Tun. Als Zuschauer wird man Zeuge der Käse- und Butterherstellung, der Melk-Arbeit oder Heu-Produktion.

Dadurch erhält man einen authentischen, aufschlussreichen Einblick in die alltäglichen Pflichten und Tätigkeiten eines Alp-Bergbauern. Denn auch die Gefahren und schwierigen Momente während der "Alpzyt" verschweigt der Film nicht. Ein ständiger Begleiter ist die Unsicherheit, der Winter könne zu früh einbrechen oder das Gras zur Neige gehen. Eine Szene macht deutlich, was es heißt, wenn eine Kuh auf der Alp unter einer Huf-Verletzung leidet: eine Tierärztin muss den weiten, beschwerlichen Weg zur Alp zurücklegen, dann erfolgt die aufwendige Behandlung – inklusive Spritze und Bandage. Zwischendurch kommen die Familien selbst zu Wort und berichten u.a. vom entbehrungsreichen Leben dort hoch oben. Aber auch davon, dass sie nichts vermissen – weder TV, Smartphone noch sonstige Medien – und dass sie das Leben im Einklang mit Tier und Natur lieben und leidenschaftlich leben. Das sieht man auch den Bildern jederzeit an.

04.10.2016

4

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Kommentare

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Patrick

vor 2 Jahren

Wunderschöne Aufnahmen das unsere Schweiz in voller Pracht darstellt untermalt mit Jodel und Volksmusik.Die Doku kommt sehr gemächlich und etwas langweilig daher,die Schluss-Szenen mit dem Alpabzug sind wiederum packend.


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