Valley of Love Belgien, Frankreich 2015 – 91min.

Filmkritik

Schauspielgrößen unter sich

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Knapp 35 Jahre nach ihrer letzten Zusammenarbeit in Maurice Pialats Loulou fanden sich die französischen Kino-Stars Isabelle Huppert und Gérard Depardieu wieder gemeinsam vor der Kamera ein. Entstanden ist ein Trauerdrama vor imposanter Kulisse, das gleich auf mehreren Ebenen mit der inner- und außerfilmischen Realität spielt.

Seit ihrer Scheidung vor vielen Jahren sind die Schauspieler Isabelle (Isabelle Huppert) und Gérard (Gérard Depardieu) unterschiedliche Wege gegangen. Erst der Selbstmord ihres Sohnes bringt die einstigen Partner nach langer Funkstille im amerikanischen Death Valley zusammen, wo sich der Verstorbene – so hat er es in Briefen angekündigt – seinen Eltern offenbaren will. Während Isabelle, die unter Schuldgefühlen leidet, fest an die Prophezeiung ihres Sohnes glaubt, will Gérard das reichlich absurde Beisammensein so schnell wie möglich auflösen. Zwischen hitzigen Diskussionen und beschwerlichen Ausflügen in sengender Hitze nähern sich die früheren Eheleute allerdings langsam an.

Die beiden Hauptfiguren arbeiten als Schauspieler, tragen die Vornamen der Darsteller, und das Drehbuch zelebriert ein Wiedersehen nach vielen Jahren. Unverkennbar treibt Regisseur Guillaume Nicloux (La religieuse) hier ein Spiel mit fiktiven, biografischen und filmgeschichtlichen Zeichen, das zuweilen recht amüsante Momente abwirft. Etwa, als Gérard einem aufdringlichen US-Touristen, der ihn zu erkennen glaubt, sich aber nicht an seinen Namen erinnern kann, ein Autogramm als "Bob De Niro" gibt.

Jenseits von Meta-Verweisen funktioniert Valley of Love aber auch als ergreifendes Drama, das zwei Menschen umkreist, die optisch nicht recht zusammenpassen wollen. Auf der einen Seite die zarte, zerbrechlich wirkende Isabelle, auf der anderen der Koloss Gérard, dem das drückende Klima im Tal des Todes spürbar zu schaffen macht und der wiederholt seinen beachtlichen Bauch zur Schau trägt.

Auf den ersten Blick mag man kaum glauben, dass die Protagonisten (nicht die Darsteller!) früher ein Paar waren. Die Art und Weise, wie Huppert und Depardieu in ihren Rollen interagieren, lässt mit der Zeit aber eine Vertrautheit durchscheinen, die keine Sekunde aufgesetzt wirkt. Viel passiert auf Handlungsebene nicht. Und doch ist es immer wieder faszinierend, Isabelle und Gérard bei ihren Gesprächen zu beobachten, die durch die staubig-monumentale Wüstenlandschaft symbolisch aufgeladen werden. Angesichts des starken Zusammenspiels der beiden Kinogrößen ist es ärgerlich, dass Nicloux die Trauerarbeit vor allem im letzten Drittel in eine esoterisch-verquaste Richtung lenkt und seiner Geschichte so einiges von ihrer Überzeugungskraft nimmt.

15.04.2016

3

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Kommentare

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thaisel

vor 2 Jahren

Es passiert wirklich nicht viel in diesem Film - selten so einen langfädigen und langweiligen Film gesehen...
Frage mich, wer das Prädikat "besonders wertvoll" verteilt hat?


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