Truth Australien, USA 2015 – 125min.

Truth

Filmkritik

Die Wahrheit ist das erste Opfer

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

In den USA hatte Truth einen schweren Stand. Weil das Land zweigeteilt ist und sich um den Inhalt des Films dieselbe Kontroverse entspinnt, die 2004 auch schon rund um die Nachrichtensendung "60 Minutes" herrschte. Aus europäischer Sicht mag die Geschichte nicht besonders interessant sein, sie ist aber ein Paradebeispiel dafür, wie die Wahrheit verdreht wird – wenn die politische Agenda eines Senders oder Konzerns daran interessiert ist.

Mary Mapes (Cate Blanchett) ist für die renommierte CBS-Nachrichtensendung "60 Minutes" tätig. Sie hat den Abu-Ghraib-Skandal aufgedeckt und untersucht nun mit ihrem Team Präsident George W. Bushs Zeit bei der Nationalgarde. Dokumente belegen, dass der Mann, der sich dadurch dem Dienst in Vietnam entzogen hat, gar nicht gedient hat. Diese Story geht auf Sendung, aber im Anschluss wird die Glaubwürdigkeit der Geschichte in Frage gestellt, weswegen sich Mary, aber auch der Moderator Dan Rather (Robert Redford) rechtfertigen müssen. Eine Hexenjagd beginnt, bei der die Wahrheit das erste Opfer wird und die Karrieren dieser Reporter auf dem Spiel stehen.

Truth ist die Art Film, die einen Liberalen wie Robert Redford anspricht. Aber er spielt nicht die Hauptrolle, seine Figur ist ein Trabant, während es im Kern um Mary Mapes geht, die von Cate Blanchett mit großer Integrität gespielt wird. Das Faszinierende an Truth ist, dass er eines sehr deutlich aufzeigt. In der Kontroverse um den damaligen Präsidenten Bush ging es sehr schnell nicht mehr um die Wahrheit, sondern nur noch um Details. An diesen entfachte sich eine Diskussion, die gar nicht daran interessiert war, die richtigen Fragen zu stellen. Es war ein Skandal, der unter den Teppich gekehrt werden sollte – zu einer Zeit, da der Präsident einen Krieg führte, sich aber gut 30 Jahre zuvor davor gedrückt hatte, selbst an einem teilzunehmen.

Das ist die Geschichte des Films – und das ist es, was Truth zu einem packenden Stück politischen Kinos macht. Hier wird Zeitgeschichte dramatisch aufbereitet. Das ist bisweilen etwas trocken, aber im Verlauf der Geschichte kocht gerechter Furor hoch. Darüber, wie mit Menschen verfahren wird, aber auch darüber, wie die Wahrheit auf dem Altar geschäftlicher Interessen geopfert wird. Weil die Nachrichten für das Fernsehen in erster Linie eines sind: ein Geschäft. Und um das nicht zu gefährden, lässt man alles und jeden über die Klinge springen. Umso wichtiger ist es, dass Filme wie Truth darauf aufmerksam machen. Dies ist sehenswertes Schauspielkino mit einer überragenden Cate Blanchett und einem Robert Redford in einer kleinen und doch zugleich großen Altersrolle.

15.06.2016

4

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Kommentare

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julianne

vor 3 Jahren

super gestern gesehen super darsteller natürlich einmal mehr cate Blanchett!!!!! aber von ihr kennt man ja nichts anderes Robert Redford toper grace usw auch mega!!!!!


as1960

vor 3 Jahren

In "Truth" wird die wahre Story eines Reporterteams erzählt, welches aufdeckt, dass G. W. Bush sich vor dem Kriegsdienst in Vietnam gedrückt hat. Schnell dreht aber der Wind, und für die Reporter beginnt ein Kampf um ihre berufliche Karriere. Normalerweise sind solche Reporter-/Politthriller naturgemäss eine trockene Sache. Hier aber werden, ohne die Fakten zu vernachlässigen, auch die menschlichen Seiten der Geschichte gewürdigt. Und so ist "Truth" v. a. grossartiges Schauspielerkino, in dem Cate Blanchett einmal mehr eine mitreissende Performance abliefert und Robert Redford sein gesamtes Charisma einbringen kann. Und auch alle anderen Rollen sind stark besetzt. Fazit: "Truth" ist ein wahres Meisterwerk.Mehr anzeigen


fgswz

vor 3 Jahren

Sehr spannend inszeniert.


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