Southpaw USA 2015 – 123min.

Southpaw

Filmkritik

Von oben nach unten und langsam zurück

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Nach mehreren eindrucksvollen Leinwandauftritten in letzter Zeit ist US-Schauspieler Jake Gyllenhaal mittlerweile so weit, dass er selbst hochgradig konventionellen Filmstoffen durch seine kraftvoll-intensive Darstellung ein wenig Glanz verleihen kann. Ohne ihn sähe das Sportlerdrama Southpaw – ein Ausdruck für einen linkshändigen Boxer bzw. dessen typische Grundhaltung – wohl ziemlich alt aus.

Der Werdegang von Billy Hope (Gyllenhaal) klingt wie ein Märchen: Auf eine schwere Kindheit samt Heimalltag folgt ein Aufstieg in den Olymp des Halbschwergewichts. Stets begleitet von seiner vorausschauenden Ehefrau Maureen (Rachel McAdams), die ebenfalls in Jugendeinrichtungen aufgewachsen ist. Als sie Billy nach der Verteidigung des Weltmeistertitels aus Sorge um seine Gesundheit bittet, eine Wettkampfpause einzulegen, willigt dieser ein. Nicht zuletzt, weil er so mehr Zeit mit seiner Tochter Leila (Oona Laurence) verbringen kann. Beim Besuch einer Wohltätigkeitsveranstaltung kommt es allerdings zu einer schrecklichen Tragödie. Billy gerät mit einem potenziellen Rivalen aneinander, und im Handgemenge fällt ein Schuss, der Maureen tödlich trifft. Was folgt, ist ein tiefer Fall, bei dem der verzweifelte Ehemann sogar das Sorgerecht für seine Tochter verliert.

Die Geschichte – das lässt der Handlungsabriss schon erahnen – ist ein alter Hut, den man so oder ähnlich aus anderen Boxerfilmen kennt. Drehbuchautor Kurt Sutter und Regisseur Antoine Fuqua geben sich nur wenig Mühe, die Klischees und Stereotypen zu verschleiern, die sie hier gebündelt in den Ring werfen. Wie viele andere Boxer auch stammt Billy aus einfachsten Verhältnissen und schafft es häufig nicht, seine Emotionen im Zaum zu halten. Nach dem Tod der Ehefrau stürzt er komplett ab, wobei unklar bleibt, warum der Multimillionär binnen kurzer Zeit ohne jegliche Absicherung dasteht. Als Wegweiser und Mentor wider Willen entpuppt sich schließlich ein desillusionierter Trainer (Forest Whitaker), der Billys mühsamen Comeback-Versuch begleitet. Vorhersehbarer geht es kaum.

Dass Southpaw in manchen Phasen dennoch fesseln kann, liegt an der starken Besetzung, die aus dem überraschungsfreien Erlösungsplot ein Maximum an emotionaler Intensität herausholt. In den Nebenrollen überzeugen vor allem Forest Whitaker und Rachel McAdams, die trotz begrenzter Leinwandzeit Maureens Bedeutung für Billy glaubhaft zu vermitteln weiß. Im Zentrum dieses Boxerdramas liefert Jake Gyllenhaal eine energiegeladene, facettenreiche Performance ab, die nicht nur in den mitreißenden Kampfszenen besticht, sondern auch in ruhigeren Momenten.

14.08.2015

3

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Kommentare

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Janissli

vor einem Jahr

Top Schauspieler-Leistung von Jake Gyllenhal! Die Geschichte ist spannend, traurig und herzbewegend, somit hat der Film alles was es für 90 min. gute Unterhaltung braucht.


lionheart_

vor 3 Jahren

Sehr sehr sehr gut! Die Schauspieler sind super! Auch habe ich noch nie eine so authentische 'Sterbensszene' gesehen! Echt mitreissend, unterhaltsam und fantastisch. Alles in allem: ein Sportfilm, der auch 'nicht-Boxerfans' gefällt!


Barbarum

vor 3 Jahren

Zunächst einmal, die Boxszenen sind toll gemacht. Und die Darsteller geben ihr Bestes, aber leider wurde ihnen nur eine Handlung auf Seifenoper-Niveau gegeben, um damit zu arbeiten.


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