Run All Night USA 2015 – 114min.

Filmkritik

Killer auf dem Erlösungsweg

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Zum dritten Mal schickt der spanische Thriller-Experte Jaume Collet-Serra Hollywood-Haudegen Liam Neeson in einen Wettlauf gegen die Zeit. Ähnlich wie im Berlin-Reißer Unknown Identity ist der charismatische Darsteller als Profikiller zu sehen, hetzt hier allerdings durch das nächtliche New York, um seinen entfremdeten Sohn vor der Rache eines befreundeten Gangsters zu schützen.

Jimmy Conlon (Liam Neeson) hat als ehemaliger Auftragsmörder große Schuld auf sich geladen. Das verrät schon das Voice-Over des Protagonisten zu Beginn des Films, das sein Bedauern über den eingeschlagenen Lebensweg offen thematisiert. Ein dummer Zufall bringt den inzwischen trunksüchtigen Jimmy dazu, sein tödliches Handwerk noch einmal aufzunehmen. Als sein Sohn Mike (Joel Kinnaman), den er seit Jahren nicht gesehen hat, Zeuge eines Mordes wird, überschlagen sich die Ereignisse. Denn um den jungen Mann zu schützen, erschießt Conlon den unberechenbaren Täter, bei dem es sich ausgerechnet um den Sprössling des Mafia-Paten Shawn Maguire (einprägsam: Ed Harris) handelt. Der Gangsterboss ist Jimmys einzige echte Bezugsperson und bläst nun zur Treibjagd auf seinen früheren Handlanger und dessen rechtschaffenen Sohn.

Setzte ihre letzte Zusammenarbeit, der Flugzeug-Thriller Non-Stop, auf ein klaustrophobisches Setting und ein selten aktionsgeladenes Spannungsgeschehen, nähern sich Collet-Serra und Neeson mit Run All Night wieder der kinetischen Energie von Unknown Identity an. Rasante Verfolgungsjagden und kompromisslose Nahkampfszenen rücken deutlicher in den Vordergrund und weisen unweigerlich auf die brachiale Taken-Reihe hin, die das heutige Actionstar-Image des Hauptdarstellers überhaupt erst begründete.

Einmal mehr schießt und prügelt sich Neeson als von der Vergangenheit gezeichneter "Spezialist" durch einen nicht immer glaubwürdig gebauten Plot, schafft es dabei allerdings, den Schmerz und die Verbitterung seiner Figur überzeugend zu vermitteln. Der eigentlich recht klischeehafte Profikiller Conlon verwandelt sich in einen reuigen Sünder aus Fleisch und Blut, der von Gewissensbissen und widerstrebenden Gefühlen bedrängt wird. Einerseits verbindet ihn eine echte Männerfreundschaft mit seinem Gegenspieler Shawn. Andererseits ist er wild entschlossen, das verloren gegangene Vertrauen seines Sohnes zurückzugewinnen. Eine spannende Gemengelage, die Drehbuchautor Brad Ingelsby (Out of the Furnace) mehrfach beleuchtet, häufig aber auch den bisweilen selbstzweckhaften Actionkonventionen unterordnet. Weshalb Run All Night sein Potenzial nicht ganz ausschöpfen kann.

15.05.2015

3

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Kommentare

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Schlosstaube

vor 7 Jahren

Wieder ein sehr guter spannender Thriller mit Liam Neeson. Absolut TOP!!!


Barbarum

vor 7 Jahren

Nichts für jemanden, der allzu Spezielles sucht. Aber ein grundsolider Actionfilm, aufgewertet durch die Besetzung und die hin und wieder recht einfallsreiche Bildgestaltung.


juuhuiii

vor 7 Jahren

Ich mag eigentlich die Liam Husten - Filme. Aber dieser hier war echt mittelmässig. 2 Punkte für den Film und einen für den Niessen:)


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