CH.FILM

La buena vida Kolumbien, Deutschland, Niederlande, Schweiz 2015 – 97min.

Filmkritik

Das schlechte Leben

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Die nachdenklich stimmende Doku La buena vida macht unmissverständlich klar, wie Wohlstand und Wachstum auch bei uns in Europa auf ganz unmittelbare Weise mit dem Leid indigener Völker zusammenhängen.

Die Wayúu-Gemeinschaft ist ein indigenes Volk, das im Norden Kolumbiens im Einklang mit der Natur lebt. Schon immer bietet ihnen der Wald alles, was sie an Grundlagen zum Leben brauchen. Er versorgt sie mit Nahrung und Wasser. Doch ihr Gebiet ist auch reich an Rohstoffen und die internationalen Konzerne haben längst die fetten Dollarzeichen in den Augen. Die Kohlemine Cerrejón, die bereits 700 Quadratkilometer groß und schon auf wenige Kilometer an das Dorf herangerückt ist, soll weiter vergrößert werden. Sehr zum Leidwesen der Ureinwohner, deren Lebensraum bedroht ist. Die geförderte Kohle ist für Europa bestimmt, um in den dortigen Kraftwerken Strom zu erzeugen. Den Wayúu bleibt nichts anderes übrig, als mit den Minenbetreibern zu verhandeln, um ihr Land zu retten.

La buena vida handelt vom Kampf dieser kleinen, verschworenen Dorfgemeinschaft gegen ausbeutende Wirtschaftskonzerne sowie die Umsiedlung des Dorfes, um die Mine ungehindert vergrößern zu können. Regie führte der deutsche Dokumentarfilmer und Produzent Jens Schanze, für den das Thema "erzwungene Umsiedlung" nicht neu ist. Schon in dem Film Otzenrath 3° kälter (2007) berichtete er von der "Verlagerung" dreier Dörfer am Niederrhein, die dem erweiterten Braunkohletagebau weichen mussten.

Bereits seit 2012 begleitete Regisseur Schanze die Dorfbewohner, darunter auch den energischen, jungen Anführer der Wayúu, Jairo Fuentes. La buena vida begleitet Fuentes bei den Verhandlungen und Gesprächen mit dem verantwortlichen, millionenschweren Konzern, die ihn 2014 sogar bis zur Aktionärsversammlung des Betreibers in die Schweiz führten. Denn für den jungen Indio ist – wie er selbst sagt - der Dialog die "beste Waffe des Menschen". Die Umsiedlung des Dorfes begann bereits im Jahr davor, an einen nur vermeintlich besseren und lebenswerteren Ort: denn der Film zeigt ungeschönt und unmittelbar, die tragischen Konsequenzen des Rohstoffabbaus für das dortige Volk auf.

Und diese sind dramatisch: Probleme mit der Wasserversorgung, der allgegenwärtige Staub und die schlechte Qualität des Bodens, was zu erschwerten Lebensbedingungen führt. Die Gesichter der Dorfbewohner bei der mit Plänen und Karten veranschaulichten Besprechung der Umsiedlung mit Experten sprechen Bände: Wut und Enttäuschung stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Regisseur Schanze will letztlich mit seinem Film vor allem auch den Zuschauer zum Nachdenken bewegen: denn in europäischen Ländern jenseits des Ozeans, wie Deutschland oder Holland, wird durch die Kohle aus Südamerika das angenehme bzw. gute Leben, also das "buena vida", sichergestellt.

15.02.2016

4

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