Krampus USA 2015 – 98min.

Filmkritik

Wie Schmutzli auf Steroiden

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Als Alternative zu schmalzigen Weihnachtsfilmen präsentiert Hollywood seine Interpretation einer europäischen Weihnachtslegende. Krampus, eine Art Anti-Nikolaus, der diejenigen bestraft, die sich schlecht benehmen, sorgt bei der Engel-Familie für eine Horrorweihnacht.

Weihnachten, die besinnlichste Zeit des Jahres. Nur, für Leute wie die Engel Familie ist das Fest auch mit Stress, Kommerz und hohen Erwartungen verbunden. Als die nervigen Verwandten (David Koechner und Conchata Ferrell) zu Besuch kommen, ist es bei Sarah (Toni Collette) und Tom (Adam Scott) mit der Besinnlichkeit vorbei. Als ihr enttäuschter Sohn Max (Emjay Anthony) seinen Brief an den Nikolaus zerreisst, beschwört er damit den Krampus herauf, der alle unartigen Menschen in die Hölle befördert. Nur ein Weihnachtswunder kann die Engel Familie vor diesem Anti-Klaus retten.

Der Krampus ist eine Figur aus europäischem Brauchtum, die vor allem in Österreich, Bayern, Südtirol und anderen osteuropäischen Ländern als Begleiter des heiligen Nikolaus auftaucht, der die unartigen Kinder in die Kratte auf seinem Rücken steckt und sie in die Hölle befördert - eine Art Schmutzli auf Steroiden. Im Film bezeichnet ihn die Grossmutter der Engel Familie, authentisch besetzt mit der österreichischen Schauspielerin Krista Stadler, als "den Schatten des Nikolaus". Mit seinen Gemshörnern, der roten Zunge und den Ziegenfüssen erinnert er aber eher an den Teufel als an Knecht Ruprecht.

Erstaunlicherweise schafft Regisseur Michael Dougherty (Trick'r Treat) den Spagat zwischen Humor und Horror fast ohne Schwierigkeiten. Koechner als Onkel Howard erinnert uns alle an einen Verwandten, den wir jedes Jahr erfolglos von unserer Feier ausladen und Tante Dorothy steht für so manche Schwester oder Schwiegermutter, der man es als GastgeberIn nie recht machen kann. Diese funktionsunfähige Familie muss erst lernen, miteinander auszukommen, bevor sie den Krampus los wird.

Die Frage stellt sich jedoch, wer das Zielpublikum für Krampus ist. Im Gegensatz zu Weihnachtsfilmen wie Gremlins, dessen Horrorelemente familienfreundlich waren, ist Krampus nichts für Kindergemüter. Andererseits sind bösartiges Lebkuchengebäck, Teddy-Bären mit scharfen Zähnen und mörderische Spielzeugclowns für das eingefleischte Horror Publikum vielleicht zu zahm. Das könnte für Hollywood im grössten Horrorszenarium, in leeren Kinosälen, enden.

14.12.2015

3

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Kommentare

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Patrick

vor 2 Jahren

Mehr ein Schauermärchen statt ein Horror Film.Aber das ganze macht trotzdem Spass Dank den Darstellern und dessen Humor der dieser Film versprüht.Und das Filmende rundet das ganze noch ab.


holiday88

vor 4 Jahren

Die Story hat nicht allzu viel Tiefgang, ist aber schön skurril und eine augenzwinkernde Abwechslung zu altbekannten Weihnachtsfilmen. Sehr unterhaltsam und gut besetzt.


telecommande

vor 5 Jahren

Ganz Toll!
Ist wie dreiteilig: Eine Weihnachtssatyre, ein Horrorfilm und eine Horrosatyre.
Ist mal was neues für Weihnachten


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