CH.FILM

Keeper Belgien, Frankreich, Schweiz 2015 – 95min.

Keeper

Filmkritik

Die Qual der Entscheidung

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Das sanfte, großartig gespielte Drama Keeper wirft die komplizierte Frage auf, ob Menschen ein Kind in die Welt setzen sollten, die selbst noch Kinder sind.

Maxime (Kacey Mottet Klein) und Mélanie (Galatéa Bellugi), beide 15 Jahre jung, genießen das Leben und ihre junge Liebe in vollen Zügen. Eines Tages fühlt Mélanie, dass sie schwanger ist. Ein Test bestätigt diesen Verdacht wenig später tatsächlich und verunsichert die zwei Teenager zutiefst, vor allem Maxime, dem eine große Karriere als Fußball-Torwart vorausgesagt wird. Sollen sie sich für oder gegen das gemeinsame Baby entscheiden? Windeln wechseln und schlaflose Nächte statt Disko-Nächte und der Besuch der Fußball-Schule? Trotz aller Bedenken und geäußerter Zweifel von Freunden, Bekannten, Ärzten und der eigenen Familie, entscheiden sich Maxime und Mélanie, das Kind zu behalten.

Keeper ist der erste Langfilm von Regisseur Guillaume Senez, der in Brüssel ein Filmstudium absolvierte und bisher drei Kurzfilme drehte. Der 37-jährige konnte seinen Film im letzten Jahr auf einigen renommierten Filmfestivals präsentieren, so z.B. in Locarno oder Toronto. Die männliche Hauptrolle in Keeper spielt Kacey Mottet Klein, der trotz seiner 17 Jahre bereits auf eine beachtliche Filmographie zurückblicken kann. Nach Werken wie Gainsbourg oder Winterdieb, ist das einfühlsame Drama um zwei werdende Teenager-Eltern bereits der fünfte Spielfilm, in dem er mitwirkt.

Keeper ist ein zartes, berührendes Drama, das die inneren und äußeren Kämpfe zweier Teenager, die im Alter von 15 Jahren ein Baby erwarten, für den Zuschauer nachempfindbar macht und realitätsgetreu darstellt. Die inneren Kämpfe, das sind die Zweifel und Ängste der Beiden, die normalerweise von Leichtigkeit und Freiheit geprägten Teenager-Jahre aufzugeben. Die Unsicherheiten der Zwei spiegeln sich gekonnt im nuancierten, sanften Spiel mit Gestik und Mimik der beiden starken Jungdarsteller Kacey Mottet Klein und Galatéa Bellugi wider.

Immer wieder zeigt Regisseur Senez das quälende Grübeln und Nachdenken über die möglichen Konsequenzen in langen, stillen und atmosphärischen Szenen bzw. Einstellungen. Er nimmt die Probleme seiner beiden Protagonisten jederzeit ernst und stellt die schwierig zu beantwortende Frage, ob Menschen ein Kind in die Welt setzen sollten, die selbst noch Kinder sind. Fast noch komplizierter und strapaziöser als die inneren Konflikte wirken aber die Äußeren, nämlich die Zweifel der Außenstehenden, in erster Linie die der Eltern. Hier ist es vor allem Mélanies Mutter, die Bedenken äußert, wodurch es immer wieder zu (lautstarkem) Streit kommt. Letztlich macht der Film deutlich: eine einfache, klare Antwort auf die Frage, die der Film aufwirft, gibt es nicht. Vor der Klärung darüber steht ein kompliziertes, langwieriges Abwägen von ganz individuellen Wünschen, Ängsten und Hoffnungen.

14.03.2016

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Janissli

vor einem Jahr

Für so junge Schauspieler echt toll gespielt. Die Geschichte ist bewegend und traurig zugleich.


nicca23

vor 3 Jahren

Feinfühlig und ruhig erzählt Senez die Geschichte einer Teenager-Schwangerschaft mit zwei ausgezeichneten Jungdarstellern (Kacey Mottet Klein, Galatéa Bellugi) in den Hauptrollen. So geht Coming-Of-Age.


Mehr Filmkritiken

Bad Boys for Life

Platzspitzbaby

1917

Bombshell