Ich bin dann mal weg Deutschland 2015 – 93min.

Filmkritik

Ich bin dann mal weggenickt

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Hape Kerkelings Buch "Ich bin dann mal weg" war monatelang ein Bestseller. Dass jemand auf die Idee kam, den Stoff zu verfilmen, ist darum nicht weiter überraschend. Eher schon ist es der Umstand, dass man sich eine Geschichte ausgesucht hat, die eigentlich keine ist. So wie der Jakobsweg mäandert auch dieser Film – ziellos, dröge, unspektakulär.

Hape Kerkeling muss zur Ruhe kommen. Der ewige Stress hätte ihn fast umgebracht, da kommt er auf die Idee, den Jakobsweg zu beschreiten. Fast 800 Kilometer will er wandern, mit sich und seinen Gedanken allein. Dabei trifft er auf die unterschiedlichsten Charaktere: Fans, die ihn erkennen, Frauen, die glauben, dass er sie anbaggert, kuriose Figuren, die vielleicht real oder auch nicht sind. Und immer wieder trifft er auf sich selbst, lernt er sich auf seiner Pilgerreise doch so gut kennen wie niemals zuvor.

Geschichten wie diese gibt es einige – in den letzten Jahren waren es vor allem A Walk in the Woods und Wild, die auch beide auf entsprechenden Memoiren basieren. Anders als Kerkelings "Ich bin dann mal weg" gab es dort aber eine Substanz, die hier fehlt. Vielmehr hat man das Gefühl, einem Mann mit Luxusproblem zuzusehen. Das manifestiert sich auch darin, dass die Pilgerreise dann doch so angenehm wie möglich sein soll. So übernachtet Hape eben nicht in den versifften Refugios, sondern in mehr oder minder schicken Hotels – immer allein mit seinen Gedanken, an denen der Zuschauer teilhaben muss. Ob er will oder nicht.

Mehrheitlich würde man das nicht wollen, denn was hier in ewig langen Off-Kommentaren zum Besten gegeben wird, ist substanzlos. Es ist Küchentischpsychologie, die man hier auftischt. Ein paar nette Worte, die die innere Reise des Protagonisten beschreiben sollen, aber fades Beiwerk bleiben. Weil Erkenntnisgewinn zwar behauptet, nie aber offenbart wird. Die Reise über den Jakobsweg mag Kerkeling in seiner Entwicklung viel gebracht haben, der Film kann es trotz guter Darstellung von Devid Striesow nicht wirklich dem Zuschauer vermitteln.

Das Nichts an Geschichte – das ist nämlich der Clou: es gibt keine – reicht noch nicht mal für 90 Minuten, weswegen Ich bin dann mal weg mit reichlich Rückblicken in Kerkelings Kindheit aufgeplustert werden muss. Für sich gesehen sind das zwar nette Szenen, für die Haupthandlung haben sie aber keinerlei Relevanz.

Was bleibt, ist ein merkwürdiger, seiner Kürze zum Trotz langatmig erscheinender Film, der eigentlich nur in einer Beziehung punkten kann – mit schönen Landschaftsaufnahmen, die entlang des Jakobswegs entstanden.

19.02.2024

2

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Kommentare

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zreh

vor 8 Jahren

Bin mit einem big smile aus dem Kino gekommen. Kein grosser Film, aber einfach schön und entspannend.


tuvock

vor 8 Jahren

Ich frage ich wie man Devid heißen kann und nicht David. Dass er Harpe Kerkeling so gut spielt liegt daran, und ich sage gut, weil er eben ihm ein bisschen ähnlich aussieht, nur schwul wirkt er nicht. Ich finde die Idee überhaupt gut dass man vor der Gesellschaft flüchtet und dass weil man einfach das Ganze nicht mehr aushält. Im Film wird deutlich dass er zu viel auf der Bühne stand, das er müde war, das er abgearbeitet war, Burn Out, Depressionen, ja eine Menge. Ich kenne das selber. Ich würde auch den Weg gerne gehen, aber alleine ist mir das zu gefährlich. Meine Freundin geht nicht mit. Leider. Worum geht es eigentlich?

Harpe ist ein deutscher Komiker, Autor, Moderator, Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher. Er war 28 Jahre lang, mit seinem Co-Autor Angelo Colagrossi zusammen und der hat für ihn die ganzen Texte geschrieben. Herrlich viele lustige Figuren hat er auf der Bühne entwickelt, der Mann ist eine wandelnde Institution, Bessere Komiker gibt es wohl kaum. Der hat an die 50 Preise gewonnen oder so, ja ein wahres Talent, und dann war es soweit. 2006 kam dann sein Buch raus, von seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela im Jahr 2001. In echt und nicht im Film war der Grund ein Hörsturz sowie die Entfernung seiner Gallenblase. Jedenfalls war das im Film auch glaube ich ein Hörsturz aber so genau weiß ich das jetzt gar nicht mehr, so was auch.

Harpe ist ein Christ, allerdings bezeichnet er sich als „Buddhist mit christlichem Überbau“, und wie im Film hat er auch in echt 2 Frauen getroffen am Jakobsweg. Und wie im echt auch im Film schenkt er seinen 2 Frauen am Ende vom Jakobsweg, dort als Abschieds- bzw. Erinnerungsgeschenk ein Silberglöckchen, zu dessen Bedeutung und verbindende Wirkung Kerkeling im Nachwort eine persönliche Anekdote erzählt.

Im Film wie in echt hat er was gegen christliche Pilger und ist mehr alleine als zusammen mit anderen Leuten. In Echt hießen die Frauen anders die er getroffen hat, eine Engländerin Anne und die Neuseeländerin Sheelagh. Übrigens ging er nicht den ganzen Jakobsweg oder so, sondern einen Teil. Und zwar den Camino Francés den klassischen Jakobsweg, der auf einer Strecke von knapp 800 Kilometern quer durch Nordspanien von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela führt. 1993 wurde der Weg als UNESCO-Welterbe eingetragen.

Der Film dauert ja nicht so lange, ich glaube 90 Minuten oder so, ich habe keine Ahnung, jedenfalls ist der Film meiner Meinung nach zu kurz. Herrlich die gute Landschaft, schön die ganzen Häuser die man sieht, ein bisschen witzig ist der Film auch, ich finde er ist nicht übel aber meiner Meinung nach etwas zu ruhig aber macht nichts. Im Grunde ist das ein nachdenklicher Film, mit einem guten Darsteller der sehr gut in der Rolle aufgeht und sehr glaubwürdig reagiert. Schade dass er so wenig redet, schade das man wenig von seinem Leben als Harpe sieht. Nicht so gut fand ich, dass man da immer so einige Rückblenden sieht, aber macht nichts, ich fand den Film nicht so schlecht.

Ich glaube der Film wirkt auch so gut weil Kameramann Felix Poplawasky sehr gute Aufnahmen gezeigt hat, die Gegen da unten einfach herrlich, natürlich auf Original Schauplätzen gedreht. Eines hat nicht gestimmt im Film, und zwar das mit den Frauen, das war anders im Buch. Aus der taffen Sheelagh aus Neuseeland wird Stella aus Stockholm (Martina Gedeck), während die rothaarige Anne aus Liverpool zu Lena aus Bristol (Karoline Schuch) wird. Schade dass im Film fast nur Deutsch geredet wurde, ich denk dass Harpe sicher viel mehr Schwierigkeiten hatte das Nord Spanisch zu sprechen, oder was man da auch immer für eine Sprache spricht.

Ich mag den Film nur ist er ein bisschen langweilig, leider ich hätte mir mehr erwartet. Mehr Spannung mehr Wortwitz. Dafür schöne Aufnahmen das war wirklich gut. Unglaublich jedenfalls am 14. Juni auf den 15. Juni ist er 96 Km durchgelaufen.

Man kann sich gar nicht vorstellen dass das Buch so erfolgreich wurde, ja Harpe hat einen Sinn für das Geschäft, im Film ist der Film mit Ende vom Jakobsweg auch aus, was ich schade finde, ich hätte gerne so eine Art Nachsatz gehabt so ein bisschen, wie es weiter geht nach dem Gehen. Ja und der Film wurde vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert.

Ach ja die Handlung noch das ich das nicht vergesse:

Als Hape Kerkeling bei einem seiner vielen Termine im Fernsehen und auf der Bühne zusammenbricht, ist er erleichtert, dass es sich nicht etwa um einen Herzinfarkt handelt, sondern „nur“ um einen Hörsturz mit anschließender Gallenblasen-Operation. Sein Arzt rät ihm zudem, sich einige Monate zu schonen. Unerfüllt von der verordneten häuslichen Ruhe, eröffnet Kerkeling seiner überraschten Agentin Dörte, dass er auf Anraten seiner gläubigen Großmutter auf dem Jakobsweg pilgern will.

Er fährt ins französische Saint-Jean-Pied-de-Port und lernt dort die zurückhaltende Stella und die britische Journalistin Lena kennen. Da er sie jedoch bald wieder aus den Augen verliert, geht er den steinigen, steilen Weg zunächst allein – für den Sportmuffel Kerkeling eine Herausforderung. Zudem machen ihm die überfüllten, engen Pilgerherbergen zu schaffen. Er will die Tour abbrechen, trifft dann jedoch wieder auf Lena und Stella sowie den südamerikanischen Lebenskünstler Americo. Eine Begegnung mit einem kleinen Jungen, die er als seine Begegnung mit Gott und mit sich selbst interpretiert, bringt ihn wieder auf Kurs. Kurz vor dem Ziel gelingt es ihm mit Mühe, Stella, die an dem traumatischen Verlust ihrer Tochter im Anschluss an eine frühere Pilgerreise leidet, zur Vollendung der Strecke zu überzeugen. Gemeinsam mit ihr und Lena erreicht er glücklich das Ziel.

Ja im Grunde ist das ein guter Film er ist nett, ein bisschen langweilig, er ist anspruchsvoll, ganz wenig lustig, und hat einen guten Darsteller, aber mehr als 83 von 100 Punkten, nein danke.Mehr anzeigen


freddiemercury

vor 8 Jahren

Im Gegensatz zur Filmkritik von Peter Osteried bin ich der Meinung, dass der Stoff viel mehr als 90 Minuten hergegeben hätte. Mir wurden den einzelnen Begegnungen und den Gedanken von Hape zu wenig Zeit und Raum gelassen. So war es mehr ein von Episode zu Episode zappen. Auch wurde vieles weggelassen oder nur am Rande beiläufig gezeigt. Auch von den Naturaufnahmen war ich nach dem tollen Trailer enttäuscht, denn im Film kam nichts mehr dazu. Lieber wäre es mir gewesen, auf die ganze Kindheit (welche ja sowieso auch nur in Kurzform abgehandelt wurde) zu verzichten und dafür dem eigentlichen Pilgern mehr Zeit zu lassen. Im Gegensatz zum Buch hat mich der Film überhaupt nicht animiert, mir auch mal eine solche Wanderschaft zu gönnen.Mehr anzeigen


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