Hail, Caesar! Japan, Grossbritannien, USA 2016 – 106min.

Hail, Caesar!

Filmkritik

Eddie wird's schon richten

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Die neue Regiearbeit der Coen-Brüder eröffnete die 66. Berlinale und entführt den Zuschauer in die knallbunte Glamour-Welt Hollywoods zu Beginn der 1950er Jahre. Ein Blick durchs Schlüsselloch des klassischen Studiosystems, das mit zahlreichen Stars gespickt ist und sich dem kommerziellen Filmschaffen auf ironisch-liebevolle Weise nähert.

Hörkritik:

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Als Produktionsverantwortlicher der Capitol Pictures hat Eddie Mannix (Josh Brolin) alle Hände voll zu tun. Überall dort, wo es brennt und wo Stars in einen Skandal zu schlittern drohen, ist der Problemlöser zur Stelle, um den schönen Schein zu wahren. Als das Hollywood-Schwergewicht Baird Whitlock (George Clooney in einem Lederwams) vom Set des Monumentalfilms "Hail, Caesar!" entführt wird, ist schnelles Handeln gefragt, denn plötzlich steht der Dreh auf der Kippe und Klatschreporter wie die Zwillingsschwestern Thora und Thessaly Thacker (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) gieren ständig nach pikanten Neuigkeiten. Zu allem Überfluss muss Mannix auch noch den schauspielerisch unbegabten Western-Darsteller Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) in einem Drama unterbringen und dem schwangeren, aber unverheirateten Wasserballett-Star DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) aus der Patsche helfen.

Wer mit dem Werk der Coen-Brüder vertraut ist, wird schmunzelnd feststellen, dass Eddie Mannix für ein fiktives Studio arbeitet, das schon in der Hollywood-Satire Barton Fink eine tragende Rolle spielte. Stand dort vor allem das Dilemma eines ambitionierten Autors im Mittelpunkt, wirft das Regiegespann mit Hail, Caesar! einen noch umfassenderen Blick auf das Kinoschaffen der Nachkriegszeit. Abgesehen von Eddie Mannix, den es wirklich gegeben hat, tauchen allerhand erdachte Branchengrößen auf, die in den meisten Fällen an reale Filmstars erinnern.

Die Rahmenhandlung rund um das Verschwinden des stets dümmlich dreinschauenden Baird Whitlock dient als Vorwand für eine episodenhafte Reise durch die Neurosen-Welt der Traumfabrik und diverse Genres, die in den 1950er Jahren besonders erfolgreich waren. Nicht das Gesamtkonstrukt hat hier Applaus verdient. Unterhaltsam sind vielmehr zahlreiche Einzelszenen, in denen der schräge Witz der Coens aufblitzt und das prominente Ensemble lustvoll überziehen darf.

Grandios, wie etwa eine Drehbuchsitzung mit religiösen Würdenträgern in eine absurde Diskussion ausartet oder der damals virulente Antikommunismus auf ironische Weise in das Geschehen einfließt. Trotz einiger Spitzen erweist sich die manchmal etwas zu entspannte Selbstbeschau als leidenschaftliche Hommage an die Ausdruckskraft des Kinos.

23.02.2016

3

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Kommentare

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Barbarum

vor einem Jahr

Anstatt eine grosse, zusammenhängende Geschichte zu präsentieren, ordnen die Coens hier mehrere beschwingte Episoden um einen Tag eines Studio-Problemlösers im Hollywood der 1950er Jahre. Jemand der viele Filme über und aus dieser Zeit gesehen hat und diese auch zu schätzen weiss, wird vermeintlich mehr Freude an diesem Streich der Coens haben als andere.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor einem Jahr


dulik

vor einem Jahr

„Hail, Caesar!“ bietet einen tollen Einblick hinter die Kulissen von Hollywood, bleibt aber deutlich hinter anderen Werken der Coen-Brüder zurück. Der Handlungsaufbau will nie so richtig gelingen; vielmehr hat man das Gefühl, dass zwar tolle Ideen da waren, doch dass diese nicht alle miteinander harmonieren. So kommt der Streifen eher als Episodenfilm daher, dessen einzelne Szenen einzeln betrachtet zwar amüsant sind, als grosses Ganzes betrachtet aber nicht wunschgemäss funktionieren.
6.5/10Mehr anzeigen


Ortygiano

vor 3 Jahren

WTF Cohen Brothers? Farblos, charakterlos.... belanglos.


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