Entertainment USA 2015 – 110min.

Filmkritik

The United States of Unfunny

Urs Arnold
Filmkritik: Urs Arnold

Ein abgewrackter Komiker macht eine Tour durch die kalifornische Einöde. Lustig ist das auf keinen Fall.

Wer weiss den Unterschied zwischen Courtney Love und der amerikanischen Flagge? Der namenlose Stand-up-Comedian hält zwei Sekunden inne, und raunt dann mit seiner verfremdeten Stimme die Antwort. Doch ausser einigen halblauten Glucksern aus dem schlechtbesetzten Clubraum bleibt das Echo aus.

Der Komiker, das ist ein Mann mit schlechter Haltung und absurder Frisur. Ein Mann der zeitlupenhaften Bewegungen. Apathie beherrscht seine Persönlichkeit, wenn er auf seiner Tour durch den öden Teil Kaliforniens nicht auf der Bühne steht. Dann schaut er sich begeisterungslos Flugzeugfriedhöfe an, oder Erdöl-Felder, oder Westernstädte. Am Abend versucht er jeweils die Tochter zu erreichen. Einmal singt er ihr windschief „Ave Maria“ auf die Combox. Doch will die Tochter wohl nicht erreicht werden.

Die Routine von Auftritten, Trash-Sightseeing und Telefonanrufen brechen Begegnungen, die mit der Zeit immer grotesker werden. Eher noch normal ist die mit dem oberflächlichen Cousin John (John C. Reilly), der eine Zitrusplantage betreibt und den Komiker nach seinen Zielen fragt. Hier kommt des Mannes einziger Lichtblick zu Tage: Eine Privatparty in Hollywood, die vielleicht seine Karriere doch noch neu lanciert.

Der Filmtitel Entertainment könnte nicht weit genug weg sein von dem, was Indie-Regisseur Rick Alverson dem Zuschauer vorsetzt. Denn mit seinem tranigen Ablauf, den vielen starren Tableaus und einer nicht kleinen Anzahl an Fremdschäm-Momenten ist dieses Werk ein cineastisches Geduldspiel, das wie eine Kreuzungen aus den absurden Ausgeburten von David Lynch und Quentin Dupieux anmutet.

Bekanntlich ist nichts ist trauriger als ein trauriger Clown. Gregg Turkingtons für den Film angepasste Version seiner mediokren Bühnenfigur Neil Hamburger ist ein wahrer Sauertopf, man vermutet gar: Ein gebrochener Mann. Auf der Bühne kommt sein zerfurchtes Inneres mit harscher Gehässigkeit heraus, wenn das Publikum ihm mit Kritik begegnet.

Die Bewandtnis dieses Films? Will er den Abgleich unserer Realität forcieren, als dass wir uns unserer angeregten, privilegierten, fröhlichen Leben gewahr werden? Man kann Entertainment durchaus auf diese Weise verstehen, genauso wie als Aufdatierung und Überprüfung des Begriffs "Unterhaltung" an sich. In diesem tieferen Sinne ist Alversons Werk keine Sekunde eintönig.

13.08.2015

4

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