Die dunkle Seite des Mondes Deutschland, Luxemburg 2015 – 97min.

Filmkritik

Wenn das Böse freibricht...

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Martin Suters Roman "Die dunkle Seite des Mondes" – der Titel bezieht sich auf das Konzeptalbum der Band Pink Floyd – ist heute so aktuell wie zur Zeit seines Erscheinens. Die filmische Umsetzung erlaubt sich Freiheiten, auch und gerade in der Zeichnung der Hauptfigur, bleibt aber dem Kern der Vorlage treu.

Der Anwalt Urs Blank (Moritz Bleibtreu) hat die Fusion zweier Pharma-Firmen unter Dach und Fach gebracht. Ein großer Erfolg, der jedoch auch Opfer fordert. Der ehemalige Besitzer einer der beiden Firmen tötet sich vor Blanks Augen. Das wirft den smarten Anwalt völlig aus der Bahn. Er lernt die alternativ lebende Lucille (Nora von Waldstätten) kennen, die ihn mit halluzinogenen Pilzen in Kontakt bringt. Doch der Trip hat verheerende Auswirkungen. Er bringt Blanks dunkle Seite zum Vorschein. Immer mehr verliert der Mann die Kontrolle über sich. Verzweifelt sucht er nach einem Heilmittel, aber gibt es das für die Natur des Menschen überhaupt?

In Stephan Ricks Film ist Urs Blank ein deutlich sympathischerer Mann als im Roman – selbst dann noch, als er völlig entfesselt ist. Das liegt einerseits daran, dass die Figur zumindest eine teilweise heldenhafte Geschichte bekommt, andererseits am einnehmenden Spiel von Moritz Bleibtreu. Natürlich aber auch an dem Umstand, dass man sich diesem Urs Blank so nahe fühlt. Denn die Decke der Zivilisation, wie Stephan Rick es nennt, ist dünn. So dünn, dass man nachempfinden kann, wie der Kontrollverlust aussieht.

Es ist im Grunde eine Art Jekyll-und-Hyde-Geschichte, die hier erzählt wird. Die dunkle Seite des Mondes ist weit mehr als das Porträt eines Mannes, der zu lange in den Abgrund geblickt hat. Es ist auch nicht der Wahnsinn, dem er anheimfällt. Es ist die Essenz des Bösen, die in ihm lauert, die in jedem Menschen vorhanden ist, und die nur durch Sozialisierung, Zivilisation und der Angst vor Strafe in Zaum gehalten wird.

Faszinierend ist es, Bleibtreu zuzusehen, wie seine Figur nach einem Heilmittel sucht, wie sie sich der Hoffnung hingibt, doch noch alles zum Guten wenden zu können, indem sie einen äußeren Anlass sucht, die ihre innere Veränderung hervorgerufen hat. Aber er ist, was er immer war, nur seine Mittel haben sich geändert. In seinem Job ging er skrupellos über Leichen, aber nur auf dem Papier, nur mit Verträgen, sauber, ohne sich die Hände schmutzig zu machen, später ist sein Handeln direkter. Die Pilze bringen hervor, was immer schon in ihm war. Das Monster in Menschengestalt, das am Ende dieses düsteren Psycho-Thrillers einen Moment der Läuterung erlebt. Das ist so etwas wie ein Happyend, aber eines, das sich gegen Konventionen stemmt und dabei kalt und bitter wirkt.

14.12.2015

4

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Kommentare

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Janissli

vor einem Jahr

Tolle Verfilmung des schweizer Bestseller -Buches.


Jupiter

vor 4 Jahren

mässige Wirtschaftsgeschichte mit Psychologie Aspekt
mehr Realität erwünscht


Owlish

vor 4 Jahren

Am schlimmsten finde ich das Blank im Film plump in dieser Pension gelebt hat, denn im Buch wäre es so toll dargestellt wie er immer mehr nur noch im Wald überlebt.


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