7 Angry Indian Goddesses Deutschland, Indien 2015 – 115min.

Filmkritik

Gesellschaftskritik im Sauseschritt

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Dass indische Frauen nach wie vor gegen verkrustete Traditionen ankämpfen müssen, zeigt Pan Nalin in seiner neuen Tragikomödie, die als heiter-überdrehtes Buddy-Movie beginnt, sich dann jedoch zu einer Bestandsaufnahme Indiens und seiner gesellschaftlichen Probleme auswächst. Ein lobenswerter Ansatz, der letzten Endes aber Tiefgang und Struktur vermissen lässt.

Die zügig geschnittene Eröffnungssequenz stellt sechs der sieben titelgebenden Protagonistinnen in prägnanten Alltags- und Berufssituationen vor und bringt mit der weiblichen Diskriminierung ein Thema zur Sprache, das sich wie ein roter Faden durch den Film zieht. Nach dem rasant-pointierten Einstieg finden sich im Haus der Modefotografin Frieda (Sarah-Jane Dias) ihre besten Freundinnen aus Jugendzeiten ein, die aus allen Wolken fallen, als die Gastgeberin ihnen offenbart, dass sie schon in wenigen Tagen heiraten wird. Während die Frauen ihr Zusammensein gebührend feiern, drängen mit der Zeit kleinere und größere Sorgen an die Oberfläche.

Trotz des gewitzten Anfangs hat man zunächst das Gefühl, einer banalen indischen Bridesmaids-Variante beizuwohnen, die das Nervenkostüm des Zuschauers mit einer aufgekratzten Heiterkeit zu strapazieren droht. Nach und nach schneiden Nalin und seine Koautoren mit Blick auf den gesellschaftlichen Zustand Indiens allerdings spannende Themen wie sexuelle Gewalt und patriarchale Bevormundung an. Da die Tragikomödie über ein umfangreiches Figurenpersonal verfügt und krampfhaft versucht, möglichst viele Aspekte aufzugreifen, verkommt die kritische Betrachtung leider schnell zu einer wenig eleganten Aneinanderreihung, wobei vor allem eines offensichtlich wird: Der Film ist heillos überfrachtet, was auch bedeutet, dass die Frauen lediglich Stereotypen bleiben.

Bemerkenswert ist wiederum, dass Nalin im letzten Drittel, als alles nach vergnügtem Wohlfühlkino aussieht, plötzlich einen düsteren Tonfall anschlägt, der in dieser Form sicher überraschen muss. Einmal mehr unterstreicht die Wendung aber den – freundlich formuliert – gewöhnungsbedürftigen Aufbau des Drehbuchs, das auch schon vorher allerhand abrupte Gefühlsumschwünge präsentiert. Das Bemühen um politische Relevanz ist fraglos ehrbar. Bisweilen unterläuft der Film aber seine eigene Agenda – etwa wenn er sich in einer Szene am Anblick der Schauspielerin Joanna (Amrit Maghera) ergötzt, die leicht bekleidet mit einem Gartenschlauch herumtollt. Nicht zuletzt dank solcher Momente liefert 7 Angry Indian Goddesses den Beweis, dass gute Ansätze und löbliche Absichten allein für einen gelungenen Kinofilm nicht reichen.

15.06.2016

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