Amy - The girl behind the name Grossbritannien 2015 – 128min.

Amy - The girl behind the name

Filmkritik

Die dunkle Seite des Ruhms

Andrea Lüthi
Filmkritik: Andrea Lüthi

Asif Kapadia (Senna) verfolgt Amy Winehouses Weg vom Londoner Mädchen aus einfachen Verhältnissen zum Weltstar. Der Dokumentarfilm erschüttert, hinterlässt aber auch ein zwiespältiges Gefühl.

Amy Winehouse sollte Recht behalten. "Ich glaube nicht, dass ich berühmt werde. Ich könnte nicht damit umgehen", sagt sie als Teenager in einem privaten Video. Bald darauf ist die Sängerin und Songschreiberin weltberühmt; in ihrer achtjährigen Karriere gewinnt sie sechs Grammys. Wegen ihrer Bulimie und ihrer Alkohol- und Drogensucht wird Amy Winehouse aber zum Gespött und zur Gejagten der Medien, und ihre grossartige Jazzstimme geht fast vergessen. Bei ihrem letzten Auftritt kann die Sängerin kaum mehr auf der Bühne stehen. 2011 stirbt sie mit 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung.

Es gibt in dem Film keinen kommentierenden Erzähler, der die Ereignisse gliedert; Kapadia lässt nur die Menschen aus Amy Winehouses Umfeld zu Wort kommen. Er filmt die Personen aber nicht dabei, sondern schneidet ihre Äusserungen mit einer überwältigenden Fülle an Archivmaterial zusammen: Privatvideos, Konzertmitschnitte, Paparazzi-Aufnahmen und Interviews. Zum Teil wiedergeben die Aufnahmen treffend Winehouses Charakter, zum Beispiel ihre Unverblümtheit bei Interviews. Manchmal wirkt der Zusammenschnitt hingegen manipulativ – zum Beispiel wenn ein Bericht über einen ihrer Abstürze kombiniert ist mit Aufnahmen, die Amy Winehouse am Boden liegend zeigen und offensichtlich aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Zwei Stunden Amateuraufnahmen sind anstrengend, aber die hektischen Paparazzi-Aufnahmen mit Blitzlichtern rundherum und die verwackelte Handkamera passen zu Amy Winehouses ruhelosem Leben und Inneren. Sie vermitteln Unmittelbarkeit und Intimität, doch obwohl der körperliche und psychische Zerfall deutlich wird, gewährt der Film keinen tieferen Einblick in die Persönlichkeit der Sängerin. Gerade aber weil Winehouse stets darauf bedacht war, ihren eigenen musikalischen Weg zu gehen und sich nicht zu verbiegen, bedauert man, dass dieser Aspekt zu kurz kommt. Man erfährt wenig über die Entdeckung von Amy Winehouse, ihre Arbeitsweise oder ihre musikalische Entwicklung.

Kapadia äussert sich nicht direkt, doch in der Auswahl von Film- und Tonausschnitten wird die Kritik am Umfeld deutlich; an Winehouses Ex-Ehemann, der sie zu den harten Drogen verleitete oder am Vater, der das Kamerateam sogar auf die Insel mitnahm, wo seine Tochter in der Reha-Klinik war. Die Kritik an den Boulevardmedien und Paparazzi hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl. Denn Kapadia nutzt gerade diese Aufnahmen – auch solche, in denen Winehouse und ihr Ehemann verletzt und unter Drogeneinfluss durch die Strassen ziehen. Man ist erschüttert, fühlt sich aber in solchen Momenten als Voyeur.

14.07.2015

3

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Kommentare

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Patrick

vor 3 Jahren

Kein Spielfilm wird es schaffen das Leben über Amy so kraftvoll und schockierend zu erzählen wie diese Doku, daher ist Amy ein grosser Oscar 2016 Favorit in der Sparte bester Doku-Film.


aladinn

vor 4 Jahren

Sehr gut gelungene Doku. Ich bin mir nicht sicher, ob Frau Lüthis Kritik zutreffend ist. Ich finde man erfährt sehr viel. Wenn


isa76

vor 4 Jahren

Ich finde den Dokfilm sehr gut gelungen. Er berührt, erschüttert, ist tragisch und regt zum Nachdenken an.... Aufstieg und Abstieg von Amy werden beleuchtet. Und ganz deutlich wird die Kritik am Umfeld.


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