Der grosse Trip USA 2014 – 115min.

Der grosse Trip

Filmkritik

Neustart mit Extremerfahrung

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Nach Tracks, der Verfilmung von Robyn Davidsons einsamer Wüstenwanderung durch das australische Outback, steht erneut eine junge Frau im Zentrum eines Roadmovies, das auf wahren Begebenheiten beruht. Dem kanadischen Filmemacher Jean-Marc Vallée (Dallas Buyers Club) gelingt dabei ein facettenreicher Blick in das Innere seiner verunsicherten Protagonistin.

Als ihr Leben endgültig in einer Sackgasse zu enden droht, fasst die orientierungslose Cheryl Strayed (Reese Witherspoon) einen überraschenden Entschluss. Ohne große Outdoor-Erfahrung will sie den berühmten Pacific Crest Trail in Angriff nehmen. Einen Fernwanderweg, der sich von der mexikanischen Grenze entlang der US-Westküste bis nach Kanada erstreckt. Anfangs denkt die junge Frau noch häufig ans Aufgeben, kann sich aber stets ermuntern weiterzulaufen. Während ihrer beschwerlichen Reise durch unwegsames Gelände trifft sie nicht nur auf wilde Tiere und eigenwillige Menschen. Auch Erinnerungen an ihre Mutter Bobbi (Laura Dern) brechen immer wieder hervor.

Die echte Cheryl Strayed machte sich 1995 auf den Weg und verfasste im Anschluss an ihre entbehrungsreiche Wanderung einen Erlebnisbericht, der 2012 die Bestseller-Listen stürmte. Begeistert von ihren Schilderungen zeigte sich auch Hollywood-Schauspielerin Reese Witherspoon, die das Buch bereits einige Monate vor seiner Veröffentlichung gelesen hatte und sich sogleich die Rechte für ihre eigene Produktionsfirma Pacific Standard (unter anderem an Gone Girl beteiligt) sicherte.

Die Reise als Weg zur Selbstfindung hat im Kino eine lange Tradition. Regisseur Jean-Marc Vallée und Drehbuchautor Nick Hornby bewegen sich hier also auf vertrautem Terrain, schaffen es aber des Öfteren, sattsam bekannte Muster aufzubrechen. Ewa indem sie Cheryls Begegnungen während ihres anstrengenden Fußmarsches äußerst geschickt mit Rückblenden verweben, die schrittweise die Gründe für ihren Aufbruch preisgeben. Auch wenn die Protagonistin ein großes Päckchen an Enttäuschungen zu schultern hat, driftet der Film nur selten in übertrieben sentimentale Gefilde ab. Hin und wieder schleichen sich sogar erstaunlich komische Momente in den assoziativen Bilderfluss ein.

Gewinnbringend ist nicht zuletzt das facettenreiche Spiel der Hauptdarstellerin, die überzeugend zwischen unterschiedlichen Gemütsfassungen pendelt und der starken weiblichen Hauptfigur damit entscheidende Tiefe verleiht. Abgerundet wird die bedächtige, ohne große Plot-Übersteigerungen auskommende Reise durch beeindruckende Naturaufnahmen, die von kargen Wüsten bis hin zu schneebedeckten Landschaften reichen.

09.12.2014

4

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Kommentare

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oscon

vor 5 Monaten

Regisseur Valléé (Dallas Buyers Club) nimmt uns mit auf eine Wanderung der besonderen Sorte mit fantastischen Landschaftsaufnahmen.
Ein Film, der die persönliche Selbstfindung als zentrale Motivation nimmt, um die Protagonistin den Pacific Crest Trail bewältigen zu lassen.
Reese Witherspoon überzeugt als outdoor-untaugliche Zicke mit schwieriger familiärer Vergangenheit.Mehr anzeigen


Janissli

vor einem Jahr

ziemlich langweilig, habe irgendwie mehr erwartet.


Blanca

vor 3 Jahren

Gut gemacht, aber diesen Film würde ich nicht nochmals anschauen.


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