The two Faces of January Frankreich, Grossbritannien, USA 2014 – 97min.

The two Faces of January

Filmkritik

Drei sind einer zu viel

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Das Regiedebüt von Drive-Autor Hossein Amini kreist um eine spannungsgeladene Ménage-à-trois vor der pittoresken Mittelmeerkulisse der 1960er Jahre. Ein wohltuend unaufgeregter, jedoch stets knisternder Psychothriller, der auf eine weniger beachtete Highsmith-Vorlage zurückgeht.

Athen im Jahr 1962: Während eines Griechenlandaufenthalts lernen die Amerikaner Chester (Viggo Mortensen) und Colette MacFarland (Kirsten Dunst) den jungen Landsmann Rydal (Oscar Isaac) kennen, der als Stadtführer ahnungslose Touristen übers Ohr haut. Fasziniert vom eleganten Auftreten der Eheleute, sucht er ihre Nähe, ahnt allerdings nicht, dass Chester ein gewiefter Hochstapler ist, der US-Investoren um große Geldsummen betrogen hat. Das plötzliche Erscheinen eines aufdringlichen Privatdetektivs schweißt die drei kurz darauf untrennbar zusammen. Denn Rydal hilft Chester nicht nur, die Leiche des Ermittlers wegzuschaffen, den der junge Mann fälschlicherweise für bewusstlos hält. Er begleitet die MacFarlands auch auf ihrer Flucht vor der Polizei.

Betrüger im Zentrum der Handlung, Identitätsspiele und ein gefährliches Beziehungsgeflecht – der 1964 erschiene Roman "The Two Faces of January" erinnert in mehrfacher Hinsicht an "The Talented Mr. Ripley", Patricia Highsmiths wohl bekanntestes Werk. Wie so oft frönt die Schriftstellerin auch hier ihrer Vorliebe für menschliche Schwächen und schicksalhafte Begegnungen, wobei ihre amoralischen Protagonisten einmal mehr eine seltsam-faszinierende Aura umgibt.

Diese Dualität kann Regieneuling Hossein Amini, der bislang nur als Drehbuchautor in Erscheinung trat, äußerst überzeugend in seine Romanadaption überführen. Schon das ansprechende Aussehen der drei Hauptdarsteller zieht den Zuschauer unweigerlich in den Bann und verweist, ebenso wie das elegant fotografierte Mittelmeer-Setting, auf die feine Grenze zwischen Schein und Sein, die der Film von Anfang an thematisiert.

Während die kleine Schicksalsgemeinschaft durch eine sonnengeflutete Landschaft stolpert, nimmt die Stimmung zunehmend düstere Züge an. In bester Noir-Tradition belauern sich die männlichen Hauptfiguren, deren Beziehung bereits im vielsagenden Titel anklingt, und treten schließlich ein in einen Wettstreit um die schützenswerte Frau. Dabei verhindern ambivalente Blicke, kleine Gesten und erzählerische Auslassungen eine allzu eindeutige Positionierung, was die Spannung immer weiter ansteigen lässt. Im Unterschied zu Kirsten Dunst, die nur sporadisch Raum zum Glänzen bekommt, dürfen sich Viggo Mortensen und Shooting-Star Oscar Isaac ein packendes Schauspielduell liefern.

13.01.2017

4

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Kommentare

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Janissli

vor 2 Jahren

Spannender und sehenswerter Film. Vielleicht bin ich als Viggo Mortensen Fan aber nicht ganz so neutral.


Barbarum

vor 2 Jahren

Leider fehlt es etwas an Höhepunkten und das Ganze zieht sich.


kira026

vor 5 Jahren

Filmtechnisch sehr gut gemacht: tolle Aufnahmen, schöne Farb- und Bildgestaltung, gute Musik. Doch leider ist die Story sehr seicht und ziemlich absehbar... Schade, sonst wäre der Film sicher sehr gelungen! Auch die Schauspieler überzeugen.


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