The Purge: Anarchy Frankreich, USA 2014 – 103min.

The Purge: Anarchy

Filmkritik

Raus auf die Straße!

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

2013 landete James DeMonaco mit seinem dystopischen Horrorthriller The Purge einen Überraschungserfolg an den Kinokassen. Kein Wunder also, dass Teil zwei bereits ein Jahr später in den Startlöchern steht. Darin versucht der Regisseur und Drehbuchautor, seine reizvolle Prämisse detaillierter auszuleuchten – insgesamt mit durchwachsenem Erfolg.

Einmal im Jahr sind für zwölf Stunden alle Verbrechen erlaubt, sodass sich die US-Bürger ihrer aufgestauten Aggressionen entledigen können. Seit die neuen Gründungsväter die Purge-Nacht eingeführt haben, tendiert die Kriminalität während der restlichen Zeit gegen null. Am 21. März 2023 ist es wieder so weit. Alle Menschen treffen Vorbereitungen, verbarrikadieren sich in ihren Häusern oder aber schreiten zur Tat. Wie der schweigsame Sergeant (Frank Grillo), der den Tod seines Sohnes rächen will, jedoch der alleinerziehenden Eva (Carmen Ejogo) und ihre Tochter Cali (Zoë Soul) zu Hilfe eilt, als die beiden von einer Spezialeinheit drangsaliert werden. Fast gleichzeitig läuft ihnen ein junges Paar (Kiele Sanchez, Zach Gilford) in die Arme, das vor einer Horde Maskierter flüchtet und sich den dreien anschließen will.

Spielte das Geschehen im Vorgänger noch in einer Vorstadtgegend und nahezu vollständig in einem Haus, nutzt DeMonaco seine nun üppigeren Mittel, um ein größeres Bild der Purge-Idee zu zeichnen. Wechselnde Schauplätze, Helikopteraufnahmen von Los Angeles und allerhand Spezialeffekte machen den Nachfolger zu einem gänzlich anderen Film, der weniger klaustrophobisch ist, dafür umso aktionsbetonter.

Anders als noch im letzten Jahr belässt es der Regisseur mit Blick auf die Ausmaße der Purge-Nacht nicht mehr bei einfachen Andeutungen, sondern führt dem Zuschauer konkret vor Augen, wie vielgestaltig das blutige Treiben ausfällt: Bedürftige vergreifen sich an skrupellosen Bankern, staatliche Säuberungstruppen sorgen für genügend mittellose Opfer, Psychopathen leben ihre kranken Fantasien aus, eine Rebellenbewegung formiert sich, und wohlhabende Kreise nutzen das Ereignis als quasi religiösen Reinigungsakt oder perverse Spaßveranstaltung.

Immer wieder gibt es Momente, die einem den Atem stocken lassen, da ein zutiefst verstörendes Bild des Zusammenlebens entsteht. Eine bitterböse Gesellschaftssatire, die trotz grobschlächtiger und redundanter Ausführung nachhaltigen Eindruck hinterlassen könnte – wenn DeMonaco nicht so sehr auf krachende, alles überlagernde Action- und Gefechtsszenarien vertrauen würde. Was letztlich auch zu Lasten der dürftig gezeichneten Figuren geht, mit denen der Zuschauer nur bedingt mitfiebern kann.

15.08.2014

3

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Kommentare

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dulik

vor einem Jahr

Zu Beginn noch sehr spannend und packend. Vor allem das Gefühl unmittelbar vor der Purge-Nacht wird wie bereits im ersten Teil authentisch rübergebracht. Danach bewegt sich der Film leider höchstens auf Durchschnitts-Niveau. Auch wenn die Masken und das Gefühl, dass überall etwas lauern kann beängstigend sind, braucht es schon ein bisschen mehr, um einen guten Streifen zu machen. Zu eintönig und uninteressant ist die Handlung und zu naheliegend der Ausgang der Geschichte.
6/10Mehr anzeigen


Barbarum

vor 4 Jahren

Leider etwas zu bieder, aber mit Sicherheit besser als der erste Teil.


Mikelking

vor 4 Jahren

Deutlich besser als der erste Teil, aber hat mich auch nicht wirklich umgehauen...


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