Suffragette Grossbritannien 2015 – 106min.

Suffragette

Filmkritik

Freiheit ist aller Menschen Recht

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Es ist ein emotional mächtiges Stück Kino, das Regisseurin Sarah Gavron hier abgeliefert hat. Die Kraft der Erzählung rührt dabei nicht nur aus den Schicksalen, die hier gezeigt werden, sondern auch aus dem Umstand, dass es eine wahre Geschichte ist, die nicht nur spannend ist wie ein Thriller, sondern auch Licht auf eine Zeit wirft, in der Frauen Menschen zweiter Klasse waren.

London zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seit Jahrzehnten versuchen Frauen, das Wahlrecht zu erlangen, doch sie sind keinen Schritt weitergekommen. Nun werden die so genannten Suffragetten von ihrer Anführerin aufgerufen, mit zivilem Ungehorsam zurückzuschlagen. Eine dieser Frauen ist Maud Watts, glücklich verheiratet und Mutter eines kleinen Jungen. Sie arbeitet in einer Wäscherei und hat sich mit ihrem Leben abgefunden, aber träumt dann doch davon, dass das nicht alles gewesen sein kann. Doch indem sie sich den Suffragetten anschließt, läuft sie Gefahr, alles zu verlieren, was sie je geliebt hat.

Das Skript von Abi Morgan erzählt die Geschichte sehr intim, aus Sicht einer Person, spiegelt über ihre Erlebnisse aber die Größe des Konflikts wider. Und ein Konflikt war es, wurden die Suffragetten doch verfolgt, als wären sie eine terroristische Zelle. Für das Patriarchat jener Zeit waren sie aber genau das. Die Reaktion besteht zuerst aus Überwachung und Repressalien, geht mit Inhaftierung weiter und mündet in barbarischen Methoden. Es ist ein Krieg, den die Frauen hier austragen, erklärt Carey Mulligans Figur dem großartig aufspielenden Brendan Gleeson. Nicht, weil sie es so gewollt hätten, sondern weil der Mann nur diese eine Sprache versteht. Ein Krieg, den die Männer nicht gewinnen können, da in jedem Heim auch eine Frau ist und sie die halbe Menschheit stellen.

Aus heutiger Sicht ist es völlig selbstverständlich, dass jeder Mensch gleiche Rechte hat. Umso beeindruckender ist Suffragette, das zeigt, dass vor nicht allzu langer Zeit Frauen noch für ihre Freiheiten kämpfen mussten – und einen hohen Preis dafür bezahlten.

Suffragette ist in erster Linie Mulligans Film, das sie umgebende Ensemble ist jedoch hervorragend. Die Figuren verkommen nicht zur Staffage, sondern sind auch für die Entwicklung von Maud Watts essenziell. Nur Meryl Streep ist als gottgleiche Anführerin der Suffragetten verschwendet, hat sie doch nur einen fünfminütigen Auftritt.

Vor dem Nachspann klärt ein Text darüber auf, wann Frauen Wahlrechte in anderen Ländern erhalten haben. Gerade da zeigt sich, dass der Film nicht nur etwas über die ferne Vergangenheit zu sagen hat, wenn man in dieser Liste bemerkt, dass es das Frauenwahlrecht in der Schweiz erst seit 1971 gibt.

15.02.2016

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

dominik_mueller

vor 2 Jahren

Sicher sehenswert. Streift auch andere, durchaus aktuelle Themen wie Sorgerecht und Missbrauch am Arbeitsplatz. Für genügend Gesprächsstoff beim Bier nach dem Kino ist auf jeden Fall gesorgt.


sunna

vor 2 Jahren

Ein Film mit Tiefgang und der einem ins Herz schleicht. Die Schauspielerinnen sind excellent.
Toller Film, nicht nur für Frauen


manuelaforster

vor 2 Jahren

berührender Film


Mehr Filmkritiken

Alita: Battle Angel

Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt

Green Book - Eine besondere Freundschaft

Zwingli