CH.FILM

Sleepless in New York Schweiz 2014 – 90min.

Sleepless in New York

Filmkritik

Scheiden tut weh

Filmkritik: Andrea Wildt

Dass Liebeskummer kein angenehmes Erlebnis ist, haben alle von uns schon einmal erlebt. Doch wie intensiv der Körper dabei leidet und welche Rolle das Gehirn bei dem Prozess spielt, ist selbst der Wissenschaft noch weitgehend unbekannt. Nun geht Christian Frei in Sleepless in New York dem qualvollen Phänomen erstmals mit einem Dokumentarfilm auf den Grund.

Schlaflosigkeit gehört zu den Leidens-Klassikern von jüngst Verlassenen. Stundenlanges Grübeln, Heulkrämpfe, Existenzängste, E-Mails und immer wieder die Anrufe auf dem Natel checken bis hin zum Stalken - die Liste der Qualen ist lang und bei fast allen Menschen gleich. Auch die New Yorker machen da keine Ausnahme. Der Schweizer Regisseur Christian Frei (u.a. Space Tourists, The Giant Buddhas, War Photographer) hat drei von ihnen auf ihrem qualvollen Weg der Verarbeitung einer Trennung begleitet: Alley, Michael und Rosey können nachts nicht mehr schlafen, denn sie grübeln, warum sie ihr Partner verlassen hat. Weinend, still in sich versunken, unruhig durch die Stadt ziehend - so intim zeigt Sleepless in New York seine Protagonisten auf der grossen Kinoleinwand. Die Anthropologin und Liebes-Expertin Helen Fisher stellt dieses Ur-Leiden der Menschheitsgeschichte mithilfe von Gehirntests und soziologischen Nachweisen in einen wissenschaftlichen Kontext.

Christian Frei hat mit dem Liebeskummer ein ungewöhnliches Thema für einen Dokumentarfilm gefunden – eine Materie, die zudem universell und populär ist. Im Spielfilm wohl eines der meist verarbeiteten Sujets, gehört das gebrochene Herz beim Dokumentarfilm zur grossen Ausnahme. Die Umsetzung ist gewohnt professionell: Die einzelnen Statements der Protagonisten werden von Frei’s langjährigem Kollegen Peter Indergand attraktiv ins Bild gesetzt. Es gibt Momente des Besinnens und Nachfühlens sowie immer wieder Aufnahmen von Menschen in der New Yorker Subway, die im Off ihre verletzten Gefühle offenbaren. Ebenso interessant sind die Ausführungen der renommierten Wissenschaftlerin, die dem Gegenstand neue Horizonte eröffnen.

Dennoch bleibt Sleepless in New York in seinen starken Statements gefangen und schafft es nur gelegentlich, die Tiefe der live gelebten Gefühle nachempfinden zu lassen. Der erfahrene Dokumentarfilmer Frei gesteht selbst, dass es eine Herausforderung war, für diese Anwallungen an Emotionen eine Dramaturgie zu finden. Dafür werden, arg typisch US-amerikanisch, beständig starke Statements wie "Liebeskummer ist wie Zahnschmerzen" oder "Niemand entkommt der Liebe ohne zu leiden" in den Mittelpunkt gestellt. Das ist werbetechnisch sehr effektiv, wirkt aber im Film etwas flach und zu schablonenhaft.

15.12.2014

3

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Kommentare

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willhart

Schon wieder ein so toller Film von einem Schweizer. Ein Must See für jeden der liebt, oder denkt, er oder sie liebt. Das Fachwissen der Anthropologin Helen Fischer relativiert so manche Binsenwahrheit

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