Wild Tales - Jeder dreht mal durch Argentinien, Spanien 2014 – 122min.

Wild Tales - Jeder dreht mal durch

Filmkritik

Ein Unglück kommt selten allein

Filmkritik: Eduard Ulrich

Damián Szifrón schrieb das Drehbuch, führte Regie und besorgte schließlich den Schnitt zu den sechs Katastrophenkurzgeschichten, die es bis ins Rennen um die Goldene Palme in Cannes schafften. Was seinem Strauß an bösen Überraschungen zum Verhängnis wurde, war wohl die mangelnde Originalität, denn Tempo und Komik haben seine Szenen. Das Prinzip ist immer das selbe und könnte von Dürrenmatt stammen: Eine Geschichte ist dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat.

Das argentinische Kino folgt eigenen Regeln, die nicht in Europa gültig sind. Typisch ist dort die starke Wirkung des Fernsehens auf das Filmschaffen. So wurde Damián Szifrón durch die Fernsehserien "Los Simuladores" und "Hermanos y Detectives" bekannt, und sein dritter Spielfilm nun war ein großer kommerzieller Erfolg in Argentinien und anderen lateinamerikanischen Ländern.

Europa ist ein anderes Pflaster, hier kennt man beispielsweise die rabenschwarzen Dramolette von Roald Dahl, die Szifróns sechs Episoden Pate gestanden zu haben scheinen. Trotzdem erhielt sein Werk am Festival in San Sebastián den Publikumspreis als bester europäischer (!) Film. Originalität kann nicht das maßgebende Kriterium in einer Branche sein, welche vor allem die Massen unterhalten will, aber ein wenig mehr Einfälle oder überraschende Wendungen darf man sich schon wünschen - vor allem, wenn die meisten Kürzestgeschichten das Korsett der Plausibilität oder des Möglichen abstreifen.

Dieser unbehinderte Sprung in die Fantasiewelt mag dadurch begünstigt worden sein, dass Szifrón nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und schließlich sein Werk selbst schnitt. Fehlte nur noch, dass er die männlichen Rollen gleich selber spielte. Tatsächlich fehlte wohl ein kritisches Regulativ, da alles aus einer Hand kam. Immerhin hat seine Inszenierung Tempo, und viele Szenen verraten sein Streben nach Komik. Das gelingt am besten, wenn sie nicht so dick aufgetragen ist, wie beispielsweise beim Auftritt Ricardo Daríns, der auch bei uns bestens bekannt ist. Er gibt einen Sprengmeister, der die Nerven verliert und sich auf nächstliegende Weise rächt.

Trotzdem besteht das Risiko, dass die Kurzatmigkeit, die häufigen Szenen- und Personalwechsel und die meist absehbaren Gags und Entwicklungen bald einmal ermüdend wirken. Man sieht sozusagen sechs komprimierte Telenovela-Folgen, aber von sechs verschiedenen Telenovelas. Das hat seinen eigenen Reiz.

15.01.2015

2

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

dulik

vor einem Jahr

"Wild Tales" ist eine schwarze Komödie, die in mehrere Episoden unterteilt ist. Das Hauptthema sämtlicher Kurzgeschichten ist dabei das Durchdrehen und die daraus resultierende Wut nicht in sich hineinzufressen, sondern erbarmungslos herauszulassen. In vielen dieser Fälle erkennt man sich selbst wieder, nur das es im realen Leben eben meistens bei der blossen Vorstellung solcher Taten bleibt. Weil Zurückhaltung hier aber überhaupt nicht vorhanden ist, macht es schon gehörig Spass, dabei zuzusehen, auch wenn nicht ganz alle Storys die gleich hohe Qualtität aufweisen.
7.5/10Mehr anzeigen


Barbarum

vor 2 Jahren

Der Grossteil der Episoden ist derart wahnwitzig und bitterböse, es ist ein Vergnügen.


Gelöschter Nutzer

vor 3 Jahren

Sehr guter Film, Kamera, Story und Schauspieler, alles passt perfekt!


Mehr Filmkritiken

Jumanji: The Next Level

Die Eiskönigin II

Last Christmas

Das perfekte Geheimnis