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Liebe und Zufall Schweiz 2014 – 110min.

Liebe und Zufall

Filmkritik

Der verlorene Sohn

Filmkritik: Eduard Ulrich

Der große Schweizer Filmautor Fredi M. Murer schreibt für sich ein Drehbuch, das von einem unveröffentlichten Roman seiner Mutter inspiriert ist, dabei aber dermaßen viele Unwahrscheinlichkeiten auftischt, dass einem das Vergnügen halb vergeht. Den Rest besorgen schwache SchauspielerInnen und unverzeihliche Schlampereien in den Ausstattungs- und Inszenierungsdetails. Die hoffentlich große Gemeinde der Murerfans sollte sich diese Farce um die libidinösen Spätfolgen einer längst verflossenen Liebe nicht antun.

Der Zufall im Film ist bekanntlich immer konstruiert, doch wenn er zu oft zuschlägt, merkt man die Absicht und ist verstimmt. Drehbuchautor Fredi M. Murer deklariert sein Hauptmittel zwar im Titel, kann den beschriebenen Effekt aber nicht verhindern. Es hatte wohl einen sachlichen Grund, dass der Roman seiner Mutter nicht veröffentlicht wurde, der ihm einen Tropfen Inspirationsquellwassers lieferte.

Seine Mutter verlor ihre große Jugendliebe aus den Augen, nachdem jene ausgewandert war. Außerdem war seine Mutter viele Jahre später bei einer Begegnung in Ohnmacht gefallen, weil sie sich an eben diese große Jugendliebe erinnert fühlte. Das ist wenig inhaltliche Substanz, also eigentlich ein schöner Freibrief, um lustige Situationen zu kreieren.

Aber nicht ohne Grund gilt die Komödie als schwierigste Gattung, und man denkt an das Bonmot "Humor ist, wenn man trotzdem lacht". Die Situationen sind nämlich ziemlich gesucht, die Dialoge ebenfalls und die SchauspielerInnen wirken hölzern, unnatürlich, betulich. Da fehlen Tempo und Witz, der Rhythmus und viele Details stimmen nicht. Spricht eine Italienerin nach 30 Jahren als Haushaltshilfe auf dem Züriberg kaum Deutsch? Lässt jemand seinen Hund sofort nach der Ankunft in einer fremden Räumlichkeit von der Leine? Auch das Pseudo-Züridütsch kann einem auf die Nerven gehen.

Ein kinderloses Ehepaar sieht in seiner züribergigen Villa schon den Gevatter Tod winken und überlegt sich, wie ein würdiger Abgang aussehen könnte. Durch eine Verkettung unwahrscheinlicher Ereignisse trifft die bessere Hälfte des millionenschweren Paars einen ca. 30-jährigen Mann, der ihrer ersten großen Liebe zum Verwechseln ähnlich sieht. Diese Begegnung lässt nicht nur die damaligen Gefühle lebendig werden, sie provoziert eine Kette unwahrscheinlicher Ereignisse, die mit einer weiteren Kette unwahrscheinlicher Ereignisse verschweißt wird, was einen wahren gordischen Knoten formt, der am Ende legendengemäß mit dem Schneidbrenner zerlegt wird. Soviel zum subtilen Einsatz des Mittels "Zufall".

17.11.2014

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Kommentare

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Yanai

vor 4 Jahren

Die Filmkritik von Eduard Ulrich wird dem Film in keiner Weise gerecht. Das ist ein Märchen. Die Plausibilität spielt ein untergeordnete Rolle. Einen Labrador kann man ohne weiteres freilassen bei fremden Leuten etc. Der Film ist toll


Yanai

vor 4 Jahren

Das ist seit langem wieder ein Film mit Tiefgang der nicht langweilt. Wir beide haben den Film sehr genossen


weinberg10

vor 4 Jahren

Dieser Film packte mich nicht voll. Für mich nicht der stärkste Film von Fredi Murer. Irritiert hat mich vor allem die Geschichte seiner Mutter verwoben mit jener von Bichsel/Gargiulo. Diese Verbindung geht bei mir nicht auf.


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