Jersey Boys USA 2014 – 134min.

Filmkritik

Einen auf Sinatra machen

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Clint Eastwoods Ausflug in die Doo-Wop-Welt der 50er und 60er Jahre schlägt schöne Töne an, ist aber gleichzeitig etwa so verstaubt wie die Wurlitzer Juke-Boxen, auf denen de Singles der legendären Gruppe Frankie Valli & The Four Seasons gespielt wurden.

Laut Mafia-Boss Angelo "Gyp" DeCarlo (Christopher Walken) gibt es für junge Männer im New Jersey der 50er Jahre nur drei Möglichkeiten: 1. Du trittst einer Gang bei und wirst umgebracht. 2. Du trittst keiner Gang bei und wirst trotzdem umgebracht. 3. Du machst einen auf Sinatra. Tommy (Vincent Piazza) ist ein Kleinkrimineller, der mit Frankie Castelluccio (John Lloyd Young), einem Sänger mit ungewöhnlich hoher Stimme, dem witzigen Bassisten Nick (Michael Lomenda) und dem Keyboarder und Songwriter Bob (Erich Bergen) eine Band gründet. Als Castelluccio seinen komplizierten Namen ändert, entsteht die legendäre Doo-Wop-Gruppe Frankie Valli and The Four Seasons, die mit einer Reihe von Hits wie "Sherry", "Walk Like A Man" oder "Big Girls Don't Cry" weltweit Karriere macht. Aber schlechte Business-Deals, Ego-Probleme und Mafia-Connections kosten den Jungs aus Jersey fast ihre Karriere.

Jersey Boys ist Clint Eastwoods filmische Umsetzung des gleichnamigen Musicals, das noch immer Erfolge am Broadway feiert. Wie die Bühnenversion erzählt der Film die Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven der vier Bandmitglieder, ähnlich wie das Akira Kurosawa im Klassiker Rashomon vorgemacht hat. Eastwood zeigt in der Inszenierung der musikalischen Nummern eine gekonnte Hand. Der eingefleischte Jazz-Fan hat schliesslich den Soundtrack zu sieben seiner Filme komponiert. Wie in Les Misérables sangen die Schauspieler live, während Eastwood filmte, was den musikalischen Nummern eine Nähe und Unmittelbarkeit verleiht.

Aber: So gut Eastwoods Regie oder Young als Frankie Valli auch sein mag, dem Film fehlt eine gewisse Tiefe. Die Figuren erwachen nie richtig zum Leben, die musikalischen Hintergründe fehlen gänzlich. Einem jüngeren Publikum, und wir sprechen hier von Leuten unter 50, erscheint die Kastratenstimme von Frankie Valli eher seltsam und nervig als sexy. Und daran scheinen auch Justin Timberlake oder Adam Levine nichts ändern zu können, die mit ihren Falsett-Stimmen Erfolge feiern. Der 84-jährige Eastwood scheint den Film für seine Altersgenossen gemacht zu haben, die in Erinnerungen schwelgen wollen. Aber einen Film für AHV-Rentner zu realisieren, ist für einen Regisseur von Eastwoods Kaliber dann doch etwas unambitiös.

15.08.2014

3

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Kommentare

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sabata

vor 5 Jahren

sicher nicht der beste film von altmeister eastwood;
dabei aber immer noch bei weitem besser als das meiste,
was zurzeit sonst aus hollywood importiert wird...
(die dauernde verschiebung der perspektivierung wirkt eher verwirrend -
kein vergleich zum genialen "rashomon")


marina.fontana1

vor 5 Jahren

Gut gemachte Musikgeschichte mit tollen Songs. Interessant mal aus Sicht der Künstler zu sehen.


julianne

vor 5 Jahren

Sensationell wunderschön Songs Bilder Clint eastwood ist nach million Dollar Baby, mistic River und changeling wieder ein sensationeller Film gelungen!!!!!!!


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