Gone Girl USA 2014 – 145min.

Filmkritik

Unehrlich währt am längsten

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Die Ingredienzien stimmen: Ein erstklassiger Regisseur, ein experimenteller Erfolgsroman als Vorlage und mit Ben Affleck ein Star in der Hauptrolle. Und doch ist Gone Girl entgleist, das perfekte Beispiel für ein filmisches Zugunglück, von dem man nicht die Augen lassen kann. Es fing vielleicht damit an, dass David Fincher sich für Rosamund Pike in der Hauptrolle entschied. Nicht, dass sie schlecht wäre, aber dass man gerade sie für eine eiskalte Frau engagiert, ist alles andere als begnadetes Casting.

Als Nick (Ben Affleck) an seinem fünften Hochzeitstag nach Hause kommt, findet er Spuren eines Kampfes vor sich. Seine Frau Amy (Rosamund Pike) ist verschwunden. Nick alarmiert die Polizei, deren Ermittlungen schnell in Gang kommen, aber auch auf einen Verdächtigen ausgerichtet sind: Nick selbst. Je mehr Details über das Verschwinden an die Öffentlichkeit kommen, desto sicherer ist jedermann, dass Nick seine Frau kaltblütig ermordet hat und nun den besorgten Ehemann spielt. Aber ist das wirklich, was an jenem Tag passiert ist? Oder steckt hinter dieser Geschichte nicht mehr?

Fincher gestaltet Gone Girl wie einen konventionellen Thriller. Er peppt ihn mit ein wenig dramatischem Material auf, den Kniff des Romans auch auf das filmische Medium zu übertragen, ist ihm aber nicht gelungen. Der Film zerfällt in zwei Teile, wo der Roman diese Gefahr umschifft, weil er den Leser direkter in die Geschichte hineinziehen kann. Beim Film ist dies anders. Er spielt nicht mit Erwartungen, er spult das Geschehen genauso ab, wie man das erwarten würde. Überraschend ist nichts, weder das Schicksal Amys noch all die kleinen Lügen und Geheimnisse, die diese Ehe schon im Vorfeld zerrüttet haben.

Aus all dem ließe sich dennoch ein passabler Thriller fertigen, der zwar weit unter David Finchers Möglichkeiten bliebe, aber dennoch gefallen könnte. Nur leider beweist Fincher kein gutes Händchen. Er arbeitet mit einem Skript, dessen Dialoge noch gehörig nachbearbeitet gehört hätten. Sie sind mehr als einmal unfreiwillig komisch, sie klingen so, wie Menschen nicht reden – noch nicht einmal in der Hyperrealität eines Films. Damit nicht genug gibt es Szenen und Einstellungen, die so ungelenk, so grob, so inkompetent gestaltet sind, dass man sich des Lachens nicht erwehren kann. Gone Girl ist die Art Film, die eigentlich Großes leisten will, die ein Augenmerk auf die Unehrlichkeit in der Ehe, aber auch die Vorverurteilung von Menschen durch die Medien werfen will, die aber letztlich so krampfhaft gestaltet ist, dass es mehr zu lachen gibt als bei so mancher Komödie. Und das ist garantiert nicht die Reaktion, die Gone Girl auslösen sollte!

28.02.2017

2

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Kommentare

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Deg89

vor 5 Jahren

Extrem spannender Thriller, der sich auf Beziehungsverlust und Medienterror fokussiert, jedoch am Ende zu überspitzt und leider auch sehr unglaubwürdig rüberkommt.


sabata

vor 5 Jahren

solide hollywood-unterhaltung; nicht mehr...!
(immerhin auch nicht weniger)


saemidumbo

vor 5 Jahren

Genial.
Einer der besten Darstellungen von Ben Affleck


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