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Dark Star - HR Gigers Welt Schweiz 2014 – 95min.

Dark Star - HR Gigers Welt

Filmkritik

Im Unheimlichen zuhause

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Mit seinen "Alien"-Wesen hat er sich unsterblich gemacht – zumindest in der Filmwelt. Die Zürcher Filmerin Belinda Sallin hat HR Giger ein eindringliches Denkmal gesetzt.

Seine Welt ist nicht von dieser Welt. Und doch war er mitten unter uns, im quirligen Zürich-Oerlikon. Hier lebte Hansruedi "HR" Giger in seiner eigenen Welt – mit seinen Zeichnungen, Bildern, Skulpturen, Gestalten, Visionen. Mit seinen schlüpfrig-schlangenartigen Wesen hat er sich in der Filmwelt unsterblich gemacht.

Für Ridley Scotts Alien schuf der Bündner, 1940 in Chur geboren, das berühmte Ungeheuer im Raumschiff und wurde dafür 1980 mit einem Oscar für die besten visuellen Effekte ausgezeichnet. Der einzigartige Künstler, den viele kannten, der aber von der Schweizer Kunstszene eher links liegen gelassen wird, starb am 12. Mai 2014, kurz nach Ende der Dreharbeiten.

Die Zürcher Filmerin Belinda Sallin hatte Sandra Beretta kennen gelernt, eine langjährige Lebensgefährtin Gigers. Sie trennte sich 1995 von ihm, blieb ihm aber gewogen. Die Bekanntschaft mit Beretta wurde zur Initialzündung für das Filmprojekt, sie war die Türöffnerin zum verschwiegenen Winkel mitten im pulsierenden Zürich-Oerlikon, in eine abseitige, in sich schlummernde Welt - zu Gigers Dark Star eben.

Viele Male hat Sallin das Haus besucht, das anfänglich bedrohlich auf sie wirkte. "Das Gefühl der Düsternis wich jenem der Geborgenheit, das Gefühl der Bedrohung jenem der Erkenntnis", erzählt sie. Und so lädt ihr sehr intimer, erhellender Film zu einer weitläufigen Reise ein – zu Gigers Anfängen in Graubünden, seiner Zeit als Designer, seinen Gestaltungen von Plattencover (für Emerson, Lake and Palmer etwa) bis zu seinen Arbeiten fürs Kino (Alien, Alien 3 oder Species).

Die Gespräche mit Giger, Begleitern und Frauen erschliessen den Künstler und Menschen Giger. Sie öffnen dem Betrachter die Augen, bauen "Vorsehungen" und Vorurteile ab, machen einem die dämonisch mäandrierenden, weiblich stigmatisierten Wesen vertrauter. Als kundige Begleiterin erweist sich Carmen Maria Giger, Ehefrau, Managerin und Erbhüterin.

Gigers Fantasien, aber auch Ängste werden greifbar, verständlich: Seine Bilder bieten Einblicke in den Urgrund der Seele, skizzieren, visualisieren Leben und Tod. Giger fühle sich im Unheimlichen zuhause, meint Carmen Maria Giger. Das filmische Porträt ist zugleich Einladung und Hommage an Gigers Welt. Eine Begegnung der besonderen Art: Man bekommt wieder Lust auf Giger.

17.11.2014

4

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Kommentare

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cinerat

vor 4 Jahren

Ein ganz schöner Film, der dank der sympathischen, ruhigen Figur HR Giger berührt und oft schmunzeln lässt. Trotz der düsteren Welten, die der Künstler erschafft. Man lernt, dass diese Seite unser Leben vervollständigt.


zuckerwättli

vor 4 Jahren

Der Film will alles zeigen und wirkt daher teilweise etwas "oberflächlich", trotzdem gelingen ihm ein paar schöne und emotionale Szenen. Je weniger man Giger kennt, desto mehr hat man von Film.


rene.pfammatter@web.de

vor 4 Jahren

Ein sehr gelungener Film - in jeder Hinsicht. Von Langeweile keine Spur. Man wird förmlich in Gigers Welt hineingesogen. Bild, Schnitt, Musik und Dramaturgie vom Feinsten. Man muss dem Film auch zu Gute halten, dass er nicht einfach ein Kniefall vor dem Künstler ist - so wie das in diesem Genre und bei Filmen über berühmte Leute öfter leider der Fall ist. Die Regisseurin nähert sich ihrem Hauptprotagonisten mit sehr viel Fingerspitzengefühl und vermag verschiedene Zwischentöne und -nuancen in ihre Darstellung mit einzuweben. Eine Stärke des Films, finde ich, ist ebenfalls, dass er nicht bloss die Fans und Kenner anzusprechen vermag. Ein dickes Lob an die Macher.Mehr anzeigen


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