CH.FILM

Chiquitos Schweiz 2015 – 88min.

Chiquitos

Filmkritik

Die Zukunft des Landes

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Die Maya-Dokumentation Chiquitos zeigt nachdrücklich und exemplarisch auf, wie ein erfüllendes Leben jenseits von Fortschritt und Wohlstand funktionieren kann. Den Kleinsten kommt dabei eine ganz besondere Rolle zugute.

Aufhänger für den Film ist der 21. Dezember 2012, jener Tag, an dem der legendäre Maya-Kalender sein Ende findet. Chiquitos nimmt den Zuschauer mit in ein abgelegenes Maya-Dorf. Indem das Filmteam u.a. am großen Kalender-Fest teilnimmt, wird der Zuschauer für einige Zeit zum festen Bestandteil der gelebten Kultur. Chiquitos konzentriert sich aber - wie der Name bereits vermuten lässt - auch auf die Kleinsten des Volkes und damit auf die "Zukunft des Landes". Der Film begleitet Jenni, Amil und Rebecca in ihrem Alltag, in der Schule, bei der Feldarbeit, beim Spielen und zeigt, dass in der Welt der Kinder alles entschleunigt und gemächlicher zugeht, ohne die Sorgen der Erwachsenen.

Schon in seinen früheren Filmen widmete sich Regisseur Thomas Rickenmann Menschen, die abseits des Großstadttrubels und jenseits von technischem Fortschritt leben (Z'Alp, 2013). Auch führten ihn seine Filme bereits nach Zentralamerika, wie in Panamericana (2010). In Chiquitos bringt er quasi beide Welten zusammen: Rickenmann begab sich auf die Reise zu einer abgeschieden lebenden Gemeinschaft der Hochland-Mayas in Guatemala. Dort wurde er Teil des Maya-Alltags und versuchte, seine Beobachtungen vor allem aus Sicht der kleinsten Bewohner, der "Chiquitos", zu schildern.

Dass sich Rickenmann in die Welt der Kinder begibt sowie die Erlebnisse und den Alltag in erster Linie aus deren Sicht schildert, ist eine ungewöhnliche aber gut funktionierende und sympathische Herangehensweise. Dieser Ansatz verleiht dem Film eine leicht naive, verspielt-drollige Atmosphäre und Grundstimmung. Da Rickenmann fest in die Gemeinschaft integriert ist, gelingt es ihm schnell, Nähe und Vertrauen zu den Bewohnern und damit auch und zu den Kindern aufzubauen. Diese danken es ihm und gewähren dem Regisseur Einlass und einen spannenden Einblick in ihre bunte Welt.

Dabei zeigt sich, dass sich eine Kindheit bei den Mayas doch schon sehr von einer europäischen unterscheidet. Schon früh sind die Kinder in wesentliche Arbeitsabläufe und -prozesse eingebunden und verbringen daher immer wieder einige Zeit auf dem Feld oder in der Küche, um die "Großen" mit leichten Tätigkeiten zu unterstützen. Daneben spricht Rickenmann auch mit den Erwachsenen, die die Bedeutung des Nachwuchses für die Zukunft des Landes und der Maya-Kultur betonen. Für den optischen Reiz sorgt das Land mit seinen wunderschönen, tropischen Berg- und Nebelwäldern und den imposanten Kiefernsavannen. Flora und Fauna des Landes rückt Rickenmann mit atmosphärisch-schwelgerischen Bildern und kunstvoll ineinander verwobenen Übergängen dabei gekonnt ins rechte Licht.

02.11.2015

4

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