Assassin's Creed Frankreich, Hongkong, Grossbritannien, USA 2016 – 115min.

Assassin's Creed

Filmkritik

Dem Vorfahren auf der Spur

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Nach seiner bildgewaltigen, manchmal aber arg pathetischen Macbeth-Interpretation versammelt der Australier Justin Kurzel vor seiner Kamera erneut die beiden Kinostars Michael Fassbender und Marion Cotillard. Dieses Mal für die Verfilmung einer beliebten Videospielreihe, die ebenfalls episch-grandiose Bilder verspricht. Fürs Auge bietet Assassin's Creed einiges. Ansonsten lässt das Action-Abenteuer aber viele Wünsche offen.

Eigentlich kann den zum Tode verurteilten Mörder Callum Lynch (Michael Fassbender) nichts mehr vor der Giftspritze retten. Doch dann tritt die Wissenschaftlerin Sofia Rikkin (Marion Cotillard) auf den Plan, die den Kriminellen in das Labor der Firma Abstergo Industries bringen lässt. Dort erklärt ihm die ehrgeizige Forscherin den Grund für seine Rettung: Mithilfe einer Maschine, dem sogenannten Animus, soll er in die Erinnerungswelt seines Vorfahren Aguilar de Nerha (ebenfalls Fassbender) eintauchen, der im Spanien des Jahres 1492 mit der Geheimgesellschaft der Assassinen gegen den machthungrigen Templerorden kämpfte. Durch die Visualisierung der damaligen Ereignisse wollen Sofia und ihr Vater (Jeremy Irons) herausfinden, wo der sagenumwobene Eden-Apfel versteckt ist, mit dem man aggressive Veranlagungen angeblich heilen kann.

Die Erwartungen waren groß. Nicht zuletzt, weil sich Filmemacher Justin Kurzel mit seinem Macbeth-Epos als Experte für stimmungsvoll-düstere Historienstoffe zu erkennen gab. Überwältigende Landschaftspanoramen und packende Schlachtsequenzen finden sich auch in Assassin's Creed und vermitteln ein Gefühl, das der populären Spielereihe durchaus nahekommt. Diverse Male bewegt sich der Protagonist im Jump-and-Run-Modus durch die frühneuzeitliche Szenerie, die der Regisseur recht überzeugend als staubige Arena einer Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Gruppierungen inszeniert. Auf der einen Seite stehen die Assassinen, die den freien Willen verteidigen wollen. Auf der anderen der einflussreiche Templerorden, der kurz vor dem Fall der letzten maurischen Bastion auf spanischem Boden nach uneingeschränkter Kontrolle strebt.

Gespiegelt werden die unterschiedlichen Bemühungen auch auf der Gegenwartsebene. Obwohl das Drehbuch dabei einige spannende Gedankenspiele bereithält, etwa die Frage, wie man dem Gewaltpotenzial des Menschen bekommen kann, fühlt sich der für die Adaption erdachte Plot wie ein Sammelsurium bedeutungsschwangerer Schlagworte an. Viel Geraune, aber wenig Substanz, was in letzter Konsequenz zu Lasten der Figuren geht, die den Betrachter trotz einer eindrucksvollen Besetzung nur bedingt mitreißen können. So schlecht, wie ihn viele US-Kritiker sehen, ist Assassin's Creed nicht. Gemessen am verschenkten Potenzial bleibt allerdings einiges an Ernüchterung zurück.

13.01.2017

3

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Kommentare

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booster23

vor 2 Jahren

Unötig! Genau so sehe ich das auch... Die Geschichte ist so unglaublich schwachsinnig... ich weiss garnicht wo man da anfangen soll. ich habe den Film im Flugzeug gesehen... Also da wartet man 9 Stunden auf die Landung..
Aber sogar da ist der Film einfach nur schlecht. Aber es gibt immerhin ein paar Spezialeffekte, und die Schauspieler geben sich alle mühe.... Alls Sie den fertigen Film zu sehen bekamen, dachten die vermutlich "was habe ich getan..." :-)Mehr anzeigen


Ortygiano

vor 2 Jahren

Unnötiger Film. Habe mehr erwartet. Farblose Schauspieler (vor allem Cotillard). Kein wirklicher Tiefgang. Habe die Spiele nie gespielt und bin deswegen eher "unbelastet" in den Film gegangen. Etliche Stränge im Film passieren ohne Zusammenhang.


martinu

vor 2 Jahren

Ich kenne das Game nicht...bin kein Game-Spieler. So betrachtete ich mir den Film ganz unbefangen. Technisch gut gemacht und spannend war der Film schon. Dass er sich aber speziell abhebt vom mittlerweile technisch Machbaren und vom allgemein Erzählerischen, kann ich nicht behaupten. Nett, aber reisst einen nicht vom Hocker. Abzug gibt es für die teilweise unklaren 3D-Animationen sowie ab und an etwas verwirrender Story. Dennoch ein solider Film, nicht weniger und nicht mehr. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ich mir einen zweiten Teil ansehen würde...einfach, weil ich auf Fantasy stehe.Mehr anzeigen


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