CH.FILM

Under the Skin Schweiz, Grossbritannien, USA 2013 – 108min.

Under the Skin

Filmkritik

Scarlett Johansson ist sexy und tödlich

Filmkritik: Andrea Wildt

Zehn Jahre nach Nicole Kidman in Birth setzt Jonathan Glazer nun Scarlett Johansson grossartig in Szene: Nackt und mit blutroten Lippen streift sie als männertötendes Alien durch Schottland und zeigt in durchkomponierten Bildern den Akt des Tötens als eine Sinnsuche. Ein existentieller Science-Fiction-Film zum Selberdenken.

Under the Skin beginnt ebenfalls wie der letzte Film des britischen Regisseurs Jonathan Glazer Birth mit einem Tod und einer Geburt: Physisch perfekt menschlich eignet sich Scarlett Johansson die Kleidung einer paralysiert auf dem Boden liegenden Frau an. Schon bald wird klar, dass ihr perfektes Äussere, ein unbekanntes Innenleben versteckt. Im Pelzmantel, die Lippen anziehend rot geschminkt, fährt sie ab da durch die Strassen von Edinburgh, um einsame Männer einzufangen. Sobald in den Van gestiegen, beginnt ein einzigartiges Verführungsritual, das mit dem Fragen nach dem Weg beginnt und für die Opfer als ausgesaugte Hautreste endet.

Die Geschichte von Under the Skin folgt von Anbeginn keinem konventionellen Handlungsverlauf, sondern kreiert aus Gesten, Blicken, irritierenden Dialogen und Taten ein Science-Fiction-Szenarium im Jetzt: Die Strassenszenen von Edinburgh sind fast ausschliesslich mit versteckter Kamera gefilmt. Die Männer in den Vans wussten zum Teil nicht, dass sie Teil eines Filmdrehs wurden. Erst im Anschluss wurden sie gebeten, für die Verführungsszene am nächsten Tag wiederzukommen.

Dass der Film trotzdem fast zwei Stunden lang in den Bann zieht, verdankt er neben der schauspielerischen Leistung von Scarlett Johansson seinen umwerfenden Bildern: Wenn Johansson sich in einem absolut schwarzen Raum zu sphärischer Musik entkleidet und die sichtlich erregten Männer in Zeitlupe auf sie zu schreiten und dabei in pechschwarzer Flüssigkeit versinken, erblickt man den Tötungsakt in ungesehener Schönheit und Abstraktion. Eine von mehreren Szenen in Under the Skin, die man so schnell nicht wieder vergisst.

Jonathan Glazer, berühmt für so manchen Musikvideo-Klassiker von Jamiroquai, Massive Attack oder Radiohead, lässt sich auch in seinem dritten Spielfilm ganz von Assoziationen und der Musik leiten. Dabei bleibt er dem Zuschauer allerdings so einige Antworten schuldig: Seine Protagonistin streift durch Strassen, Wälder, über Strände und Schnee, bis sie plötzlich ihr mechanisches Verhalten ablegt und beginnt, das Menschendasein auszuprobieren.

Die Motivation ihres Tuns jedoch bleibt bis zum Ende im Ungewissen. Jede Interpretation der Geschichte fällt mehr oder weniger ins Nichts. Das kann man dem Film als dramaturgische Schwäche ankreiden oder als ein Statement der Befreiung interpretieren. Eines hingegen ist sicher: Under the Skin versetzt in im Kino selten erlebte Zustände. Mithilfe seiner Dramaturgie und Ästhetik bietet er einen radikalen Blickpunktwechsel, der den Zuschauer an die Stelle eines ausserirdischen Wesens setzt. Lässt man sich ein, auf diese Spiel im Dunklen und folgt der Anziehungskraft der Protagonistin, führt der Film in eine andere Dimension. Direkt unter die Haut.

21.10.2014

5

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Kommentare

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Barbarum

Ungewöhnlich aber auch zäh, repetitiv und nur schwer zu verdauen.

Under the Skin 3

Blanca

Komischer Film.

Under the Skin 2

keystroke

sooo langweilig!

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