Die Bücherdiebin Deutschland, USA 2013 – 131min.

Filmkritik

Wenn Bilder Bücher ersetzen

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Neun Jahre hat es gedauert, bis Markus Zusaks Bestseller verfilmt wurde. Die Geschichte des Mädchens Liesel während des Zweites Weltkriegs ist so sentimental wie ergreifend und plakativ - auch in der Kinoversion von Brian Percival.

Eine Stimme (Ben Becker) brummelt von Menschen, ihrem Schicksal und seiner eigenen Macht. Der allwissende Tod ist es, der hier kommentiert. Im Roman tönt das so: "Es ist eigentlich nur eine kleine Geschichte, und sie handelt unter anderem von einem Mädchen, ein paar Worten, einem Akkordeonspieler, ein paar fanatischen Deutschen, einem jüdischen Faustkämpfer und eine einer ganzen Menge Diebstählen." Der Australier Markus Zusak landete 2006 mit "The Book Thief" einen Millionenseller. Eine anrührende Geschichte, die im Zweiten Weltkrieg spielt.

Das wissbegierige Mädchen heisst Liesel (Sophie Nélisse), lernt bei den Pflegeeltern Hans Hubermann (Geoffrey Rush) und seiner kratzbürstigen Frau mit gutem Herz (Emily Watson) leben und lesen. Im Nachbarsjungen Rudi (Nico Liersch) hat der Teenager einen verlässlichen Freund gefunden, der mit ihr durch Dick und Dünn geht. Es sind schwere Zeiten in diesem deutschen Städtchen: Die Nazis marschieren, Bücher werden verbrannt, Juden werden verfolgt. Der junge Jude Max (Ben Schnetzer) ist auf der Flucht und findet bei den Hubermanns Unterschlupf. Liesel kümmert sich rührend um den im Keller versteckten Flüchtling. In der Frau des Bürgermeisters (Barbara Auer) findet sie eine Seelenverwandte, was die Liebe zu Büchern angeht. Max muss fliehen, und Hans, der Gutmensch, wird auf seine alten Tage eingezogen. Bomben fallen. Der Tod meldet seine Ansprüche.

Vom jungen Waisenmädchen bis zur jungen Frau – Sophie Nélisse, die sich im kanadischen Drama Monsieur Lazhar profilierte, bewältigt ihren Part nahezu perfekt. Der Zweistundenfilm krankt nicht an der Besetzung, nicht an Stimmigkeit, eher an Plakativität und Künstlichkeit, speziell, was die Babelsberger Kulissen angeht. Trotz poetischer Einsprengsel, vom Erzähler Tod sparsam eingestreut), trotz stimmiger Intermezzi (etwa zwischen Liesel und Pflegevater Hans oder dem verfolgten Max) bleibt das Drama oberflächlich und geschönt.

Unschön ist dafür das Kauderwelsch zwischen Deutsch und Englisch. Da hätte man Regisseur Brian Percival etwas mehr sprachliche Sensibilität gewünscht. Im Gegensatz zum Buch ist der Film (Drehbuch: Michael Petroni) weitgehend chronologisch angelegt. Das vereinfacht, vertieft aber nicht und nimmt dem Buch seinen speziellen Stil.

26.03.2014

3

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Kommentare

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holiday88

vor 5 Jahren

Ein hervorragend inszeniertes Drama, das berührt und zum Nachdenken anregt.


nicca23

vor 6 Jahren

Hey Denis, wenn dich die Kommentare vom Tuvok nerven, dann lies sie doch einfach nicht! Die Energie und Zeichen, die Du brauchst um dich über ihn zu nerven, könntest du besser für eine eigene Kritik verwenden...


Reptile

vor 6 Jahren

Kann der gute Herr "Tuvok" eigentlich nichts anderes, als aus Wikipedia kopierte Fakten runterzuleiern, von sich und seiner Freundin (welche er wahrscheinlich gar nicht hat) zu sabbeln und allen, aber auch wirklich allen aufmerksamen Lesern dieser Seite, ausnahmslos von allen Filmen die er bewertet, den gesamten Plot, SZENE FÜR SZENE, vorzuleiern um somit allen, welche die besagten Filme noch nicht gesehen haben, evtl. eintretende Überraschungen zu versauen???

Ein Kino/Filmforum ist Kruzifixfroschschinkenverscheibelt nochmal dazu da, um sich auszutauschen und evtl. noch unentschlossenen Kinogängern mit kurz, aber präzise und auf den Punkt verfassten Kurzkritiken, auf die Sprünge zu helfen, wie sie sich entscheiden sollen und NICHT um allen fleissigen Cineasten brühwarm sämtliche Filme von A-Z vorzukäsen!!!!

Diverse User (mich eingeschlossen) haben sich schon mehrfach über seine Art, sowie oft drei Seiten langen und immer völlig unnötig ausufernden "Kritiken", beschwert, aber er spammt und spoilert munter weiter als gäbe es kein Morgen mehr.

Was muss denn noch alles geschehen bis Cineman dem ein für allemal ein Ende setzt???Mehr anzeigen


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