Philomena Frankreich, Grossbritannien, USA 2013 – 98min.

Filmkritik

Philomena

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Stephen Frears meldet sich zurück – und endlich ist ihm mal wieder ein sehenswerter Film gelungen. Zu verdanken hat der Vielfilmer die Rückkehr zu alter Form dabei vor allem Steve Coogan.

Coogan kennt man in England in erster Linie als Komiker und auch im Rest der Welt aus humorvollen Rollen in Tropic Thunder, The Other Guys oder Ruby Sparks. Nun hat er – als Drehbuchautor – die ebenso dramatische wie wahre Geschichte von Philomena Lee aufgetan, einer pensionierten irischen Krankenschwester, die einst in einem Kloster gezwungen worden war, ihren Erstgeborenen zur Adoption freizugeben und 50 Jahre später mit der Hilfe des ehemaligen BBC-Journalisten Martin Sixsmith nach ihm suchte.

Coogan selbst übernahm die Sixsmith-Rolle, Judi Dench – gerade dafür wieder einmal Oscar-nominiert – den Titelpart, und allein um diesen beiden zuzusehen lohnt sich Philomena. Die Dynamik zwischen der naiven und trotz ihrer bitteren Erfahrungen selbst noch der Kirche gegenüber gutherzigen Dame und dem zynischen Medienprofi, für den die Geschichte die letzte berufliche Chance bedeutet, ist eine zutiefst menschliche, die beide Schauspieler ganz hervorragend hinbekommen. Wobei natürlich auch dem Drehbuch von Coogan und Jeff Pope Lob gebührt, das mit pointierten Dialogen aufwartet und aus seiner Haltung gegenüber den empörenden Praktiken der katholischen Kirche keinen Hehl macht, ohne in platte Polemik abzugleiten.

Viel falsch machen konnte Frears unter diesen Bedingungen also eigentlich gar nicht. Und doch sollte man auch seine Rolle am Gelingen dieses enorm sympathischen und berührenden Films nicht herunterspielen. Denn so viel Witz und vor allem Fingerspitzengefühl, wie er hier an den Tag legt, hat er schon lange nicht mehr gezeigt. Das stimmt optimistisch für seinen nächsten, bereits abgedrehten Film, in dem er die Geschichte des gedopten Radprofis Lance Armstrong erzählt. Aber Vorsicht: Bei Stephen Frears muss man stets mit allem rechnen.

14.02.2014

4

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Kommentare

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Janissli

vor 3 Jahren

Das Thema ist zwar ziemlich brutal, doch als ganzes packt einem der Film nicht so ganz.


oscon

vor 6 Jahren

Berührende Geschichte nach wahren Gegebenheiten um ein ungleiches Paar, welches die Missstände um die Weitergabe von unehelich gezeugten Kindern in Irland versucht aufzudecken.
Philomena Lee (Fantastisch: Dame Judi Dench!) versucht nach 50 Jahren ihren Sohn zu finden, den sie gezwungenermassen in einem irischen Kloster zur Adoption freigeben musste; unterstützt wird sie dabei von einem gescheiterten Journalisten (Witzig: Steve Coogan). Die Suche führt von Irland, in die U. S. A., wobei die Suchenden dabei immer wieder auf geschlossene Türen oder Mauern des Schweigens treffen. Nur durch ihre Hartnäckigkeit und eine Portion Glück deckt Philomena das Geheimnis schlussendlich auf. Die Hauptdarsteller harmonieren in den mit Witz angereicherten Dialogen fantastisch. Entstanden ist ein Film der zwar die Praktiken der irischen Kirche und Behörden an den Pranger stellt, jedoch aufgrund er gekonnten Inszenierung Stephen Frears überraschend leicht zu verdauen ist und bestens unterhaltet. 4 Sterne (****)Mehr anzeigen


Barbarum

vor 7 Jahren

Berührende Geschichte liebevoll und mit Humor erzählt.


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