Olympus Has Fallen USA 2013 – 120min.

Filmkritik

Stirb langsam im Weissen Haus

David Siems
Filmkritik: David Siems

Action-Filmemacher gehen gerne dahin, wo es besonders wehtut. Bevor Roland Emmerich den US-Regierungssitz in White House Down zerlegt, kommt ihm Antoine Fuqua zuvor: In seinem Kino-Feuerwerk geht es um eine Gruppe nordkoreanischer Terroristen, die in das Weisse Haus einbricht und den Präsidenten kidnappt. Die einzige Hoffnung: Der ehemalige Bodyguard Mike Banning (Gerard Butler). Feuer frei!

Es ist ein Film wie aus der guten alten Zeit. Als Kinohelden noch keine multiplen Persönlichkeitsfacetten ausfüllen oder pseudointellektuelle Weisheiten von sich geben mussten, um auch ein Publikum mit höherem IQ abzuholen. Nix da. Olympus Has Fallen ist konservatives Ballerkino mit vertrauten Schurken, zerbrochenen Fensterscheiben, ratternden Maschinengewehren und einem Helden, der zwar einfach gestrickt, aber zielgerichtet ist wie John Rambo und John McLane.

Und dieser Held muss am Anfang gebrochen werden, damit er wiederauferstehen kann: Als der US-Präsident und seine Entourage auf einer Brücke bei kalter Winternacht in einen Unfall gerät, kann Security-Chief Mike Banning in letzter Sekunde den Präsidenten retten. Die First Lady stürzt allerdings in den eisigen Tod – und Banning wird an einen furzlangweiligen Schreibtischjob in Washington verbannt. Doch wenige Monate später steigt er zum Helden auf. Der nordkoreanische Bösewicht Kang (Rick Yune) und seine Männer verschaffen sich Zutritt ins Weisse Haus und kidnappen den Präsidenten samt der engsten Berater. Ihre Forderung: Das US-Militär zieht sofort alle Truppen vor Korea ab - oder alle Atomwaffen im Land werden gezündet. Hal-lel-uja!

Natürlich könnte man den Film für seinen schmierigen Pathos, den überbordenden Patriotismus und rohe Gewalt kritisieren. Aber das wäre zu einfach, schliesslich sind diese Nebeneffekte ja genau das, was Regisseur Antoine Fuqua will: Die Amerikaner am sensibelsten Punkt treffen und einen klassischen Helden von der Leine lassen, der für Recht und Ordnung sorgt. Und das macht der Filmemacher auf solide Weise, auch Aaron Eckhart als US-Präsident macht Dienst nach Vorschrift, während Gerard Butlers Mimik sich immer der von Sylvester Stallone annähert. Faszinierend!

Ein wenig kurios mutet es nur an, dass der Film von der Realität eingeholt wurde. Zu Beginn sieht man News-Berichte über Fernsehbildschirme flackern, die von extremen politischen Spannungen zwischen Nord- und Südkorea berichten. Man kann sich förmlich vorstellen wie sich Diktator Kim Jong-un Olympus Has Fallen in seinem privaten Home-Kino sitzt und vor Freude sowie Wut die Fingernägel im roten Polstersitz vergräbt. Barack Obama wird dieser Action-Kracher sicherlich etwas mehr mehr Zerstreuung und angenehmen Zeitvertreib bereiten.

17.06.2013

3

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Kommentare

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tom24k

vor 8 Monaten

Unnötiges Gemetzel mit Hunderten von Toten! Da sieht man wieder was die Amerikaner können. Morden und töten!


Barbarum

vor 5 Jahren

Ja, eine "Die Hard"-Kopie, unterhaltsam aber halt nicht besonders originell.


Patrick

vor 5 Jahren

Eine mittelmässige Stirb Langsam & 24 Version. Ab dem 08. 10. 15 muss Gerard Butler in London für Ordnung sorgen in der Fortsetzung namens London Has Fallen.


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