Maman und Ich Belgien, Frankreich 2013 – 85min.

Filmkritik

In der falschen Schublade

Rolf Breiner
Filmkritik: Rolf Breiner

Guillaume wird schon als Knabe in eine Mädchenrolle gedrängt. Aber muss er deswegen schwul werden? Guillaume Gallienne hat die eigene One-Man-Bühnenhow über sein Leben verfilmt.

Das kennt man nicht erst aus jüngster Zeit. Immer wieder wurden Theaterstücke verfilmt. Eben erst hat Roman Polanski das Kammerspiel La Vénus à la fourrure für die Leinwand adaptiert. Auch der französische Autor und Schauspieler Guillaume Gallienne wollte wissen, ob sein Stück Les garçons et Guillaume, à table! auch auf der Leinwand funktioniert. Auf der Bühne pflegte er jeweils alle Rollen gleich selbst zu spielen. Wie soll das im Kino gehen?

Die Mutter ruft die Kinder zum Essen: "Jungs und Guillaume, zu Tisch!" Mamas Liebling spielt eine Sonderrolle, er wird wie eine Tochter behandelt. Das hängt an. Er wird im Leben wie auch beruflich in verschiedene Rollen schlüpfen – als Schauspieler. Er führt ein Doppel- bis Mehrfachleben, etikettiert sich als "schwul". Guillaumes Leben ist eine Achterbahn der Gefühle, bis er 30 wird und sich befreien kann.

Gallienne hat seine Ein-Mann-Show mit viel Erfolg auf der Bühne zum Besten gegeben. In der Kinofassung mimt er "nur" sich selbst - und seine Mutter. "Ich wollte damit einen bildlichen, spielerischen, sensiblen Blick auf mich und meinen Werdegang von der Bourgeoisie bis zur Bühne werfen, um die ganze Eleganz und ungeheuerliche Unwahrscheinlichkeit dieser Entwicklung mit anderen teilen zu können, wie ich Schauspieler wurde, indem ich meine Mutter darstellte, um mich selbst finden zu können", meint Gallienne "Ich habe alles getan, um ein richtiges Mädchen zu sein, und welch besseres Vorbild könnte es wohl geben als meine Mutter?" Am Ende kann sich der fehlgeleitete Bürgersohn aus der falschen Schublade befreien.

Und so schwankt der Film zwischen unterschwelliger Traurigkeit, Lebenslust und Lebensleid, Zerbrechlichkeit und Ironie. Ein Schauspieler auf der Suche nach Selbstbestimmung, nach Emotionen in einem doppelbödigen Leben. Auf eine sehr liebenswürdige Art verrückt, die ganze Geschichte.

16.12.2013

3

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Kommentare

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ElizeH

vor 7 Jahren

pas mal, effectivement une suite de sketch, mais la jeu de Gallienne est magnifique et la mise en scène du film est intéressante.


dyme

vor 7 Jahren

subtil, witzig, komisch, nachdenklich - entwaffnend. a must see!


ZZ tip

vor 7 Jahren

Speziell... lustig... mit einigen Superszenen


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