jOBS USA 2013 – 122min.

Filmkritik

Ein Visionär stirbt ein zweites Mal

Filmkritik: Andrea Wildt

Mit Joshua Michael Stern verfilmt ein wenig bekannter Regisseur das Leben des Computer-Genies und Apple-Co-Gründers Steve Jobs mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle und vermasselt gründlich die Visionen seines unbequemen Revolutionärs.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis nach dem Tod von Steven Paul Jobs im Oktober 2011 sein Leben verfilmt werden würde. Es hat einfach das Zeug zum Blockbuster: Schicksal, Dramen, Zeitgeschichte, Geld und Machtspiele. Das Bio-Pic von Joshua Michael Stern zeigt rund 30 Jahre des Lebens und Wirkens des Apple-Co-Gründers von seinen Jugendjahren bis zum ersten iPod 2001. Die Erzählung beginnt mit einer der berühmten Produktpräsentationen Jobs' (gespielt von Ashton Kutcher) vor seinem Team und macht sogleich klar: Ein technisches Gerät war für Jobs nie ein trivialer Gebrauchsgegenstand.

Dann springt der Film zurück zu den Anfängen: Jobs verweigert die Uni, entdeckt dafür die Kalligraphie und reist durch Indien, wo er die Einfachheit des Lebens zelebriert. Zurück im Silicon Valley eröffnet er mit Steve Wozniak (Josh Gad) ein Start-Up in der Garage seiner Eltern. Nach Anfangsschwierigkeiten folgt schnell der steile Aufstieg zum Millionär und Firmenchef, es folgen Abstürze, grosse Verluste und eine Zeit der Besinnung und Auferstehung. In dieser klassischen Dramaturgie zeichnet jOBS das Bild eines charismatischen, willensstarken und perfektionistischen Schöpfers, der seine Mitarbeiter immer wieder aufs Neue mit seinen Visionen in den Bann zieht, aber unfähig ist, menschliche Beziehungen aufrecht zu halten.

Der Film verrät in seinen gut zwei Stunden nicht viel mehr als was man auch auf Wikipedia über Steve Jobs nachlesen kann. Dafür schmeisst er beständig mit Jobs' radikalen Ansichten und Denkweisen um sich, schafft es aber nicht annähernd, sich dessen Visionen zu nähern. Weder Erzählweise, visuelle Aufmachung noch die Schauspieler vermögen hier zu vermitteln, was es bedeutet, wenn man die Welt radikal anders sieht und für seine Visionen einsteht. In jOBS wird das Leben eines Genies unserer Zeit auf vorhersehbare Witze und kalkulierte Emotionen heruntergebrochen. Was zu Beginn noch dank des Blickes auf die Anfänge der Computerindustrie und die Jugendträume von Jobs und seiner Generation mit einem nostalgischen Charme zu bezaubern weiss, wird mehr und mehr zu einem Pseudo-Selbstfindungsweg eines ewigen Besserwissers.

Auch bewahrt der Film keinerlei Distanz zu seinem Thema. Er zeigt zwar immer wieder Jobs' Kaltblütigkeit gegenüber Freunden und Frauen, wenn es um seine Karriere geht, aber seine radikale Ernährungsweise, Dylan-Manie, Vorliebe für schnelle Autos oder seinen späteren Versuch einen heilbaren Krebs ohne Medikamente besiegen zu wollen, werden lediglich angedeutet oder bleiben gar komplett aussen vor. So ist jOBS solide, informativ und durchaus unterhaltsam, kratzt aber lediglich nur an der Oberfläche seines Heldens, dessen Leben der Film im Schnelldurchlauf mit den konservativsten dramaturgischen Kino-Mitteln zu verkaufen versucht. Das hat gerade Steve Jobs nun wirklich nicht verdient.

16.09.2013

3

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Kommentare

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julianne

vor 6 Jahren

Sehr gut interessant zu sehen das apple am Anfang Probleme hatte!!!! Steven Jobs unglaublich tolle Visionen und Ideen!!!! Toll!!!! 😀 😀 😀


mike.kellenberger.31

vor 6 Jahren

also es ist interessant und cool da lernt man etwas


Gelöschter Nutzer

vor 6 Jahren

Jobs hat es mit allem und mit allen aufgenommen. Dieser Film erzählt mehr und anderes über Steve Jobs


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