Henri Belgien, Frankreich 2013 – 103min.

Henri

Filmkritik

Tanz, Schmetterling, tanz

Filmkritik: Andrea Wildt

Die Schauspielerin Yolande Moreau erzählt in ihrem Regiedebüt von einem Witwer, der zusammen mit einer geistig zurückgebliebenen Frau die Lebensfreude wiederfindet.

Nach dem überraschenden Tod seiner Frau benötigt Henri (Pippo Delbono) Hilfe im Restaurant. Auf Rat seiner Tochter engagiert er einen "weissen Schmetterling", wie die Dorfbewohner die geistig Behinderten aus dem benachbarten Wohnheim nennen. Rosette (Miss Ming) hilft Henri nun täglich beim Servieren. Als sie jedoch lautstark herumerzählt, sie sei schwanger von ihrem Chef, ist die harmonische Arbeitsgemeinschaft im Restaurant vorbei. Henri, müde vom Leben, und Rosette, neugierig auf dessen Abenteuer, desertieren zusammen ans Meer.

Die französisch-flämische Schauspielerin Yolande Moreau erlangte in Europa insbesondere als Malerin Séraphine de Senlis in Martin Provosts César-prämierten Film Séraphine Bekanntheit. 2004 führte sie zum ersten Mal Co-Regie. So wie sie bereits als Schauspielerin oft Randfiguren der Gesellschaft verkörperte, stellt sie nun auch in ihrem Regiedebüt zwei Menschen fern der gesellschaftlichen Elite in den Mittelpunkt. Der italienischstämmige Henri, ein Mittfünfziger mit Bierbauch, und die junge Rosette ergeben eigentlich ein unmögliches Paar. Im Film jedoch erscheinen die beiden wie für einander geschaffen. Zusammen am Meer lassen sie sich nebeneinander in ihrer Sinnsuche treiben. Ihnen geht es gut zusammen, wie Henri es ausdrückt.

Der Film schlägt einen melancholischen Ton an, ist dabei voller humorvoller Einschüsse. Yolande Moreau platziert ihre Protagonisten sehr gekonnt immer an den falschen Platz in ihren Leben. Rosette liebäugelt überall mit der ersten Liebe, Henri versucht mit seinen knochigen Trinkkumpanen den miesen Stand seines Lebens im Alkohol zu begraben. Mit Sorgfalt und Humor stellt Moreau die unförmigen Körper ihrer Figuren ins Licht, so dass jeder auf seine Weise fragil und verletzbar wirkt. Aus dieser Ähnlichkeit knüpft der Film mit Ruhe und Beharrlichkeit eine facettenreiche Liebesgeschichte, die nicht den leichten Weg des Mitleids und der Sentimentalität geht.

Doch fehlt Henri der letzte Spritzer Charisma, um schlussendlich vollauf zu begeistern. Die Geschichte um die ungleichen Liebenden zieht sich gegen Ende in die Länge und verliert an Spannung. Trotz des abschliessenden, lebenshungrigen Tanzes Henris, allein, zurück in seinem verlassenen Restaurant, hinterlässt der Film einen leichten Nachgeschmack sentimentaler Lebensfreude.

15.04.2014

3

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