Freier Fall Deutschland 2013 – 100min.

Filmkritik

Wo die Liebe hinfällt

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Obwohl es den Anschein hat, als stehe die heutige Gesellschaft gleichgeschlechtlichen Paaren tolerant gegenüber, sieht die Realität nicht selten anders aus. Auch im Kino sind homosexuelle Beziehungen leider immer noch stark unterrepräsentiert. Umso erfreulicher ist es, dass Stephan Lacant eben diese Thematik ins Zentrum seines Langfilm-Debüts stellt, das mit hervorragenden Darstellern und einer zutiefst bewegenden Geschichte überzeugen kann.

Während eines Lehrgangs lernt der Polizist Marc (Hanno Koffler) den sympathischen Kollegen Kay (Max Riemelt) kennen und entdeckt an sich sehr bald eine ganz neue Seite. Auch wenn er mit seiner Freundin Bettina (Katharina Schüttler) ein geregeltes Leben führt, fühlt Marc sich mehr und mehr zu Kay hingezogen. Ihre Affäre stürzt ihn schließlich in eine tiefe Sinnkrise.

In der Anlage seiner Protagonisten weist Stephan Lacants Freier Fall durchaus Parallelen zu Ang Lees gefeiertem Drama Brokeback Mountain auf. Hier wie dort sind die Hauptfiguren beruflich in einen vor allem männlich konnotierten, bisweilen homophob geprägten Kosmos eingebunden. Trotz weiterer Gemeinsamkeiten auf Handlungsebene zeigt sich das deutsche Werk insgesamt allerdings erfreulich eigenständig und mitunter sogar geerdeter als das amerikanische Pendant.

Von der ersten Einstellung an richtet Lacant sein ganzes Interesse auf Marc, der einem bilderbuchmäßigen Spießerleben samt Aufstiegschancen im Beruf, einer schwangeren Freundin und dem von den Eltern vorfinanzierten Eigenheim entgegen schaut. Auch wenn das Drehbuch die unbehagliche Ausgangssituation und den darin innewohnenden Ausbruch aus den geregelten Bahnen etwas schematisch vorzeichnet, entwickelt der Film recht schnell einen faszinierenden Sog. Marcs zunehmende Zweifel und seine innere Zerrissenheit werden glaubhaft entfaltet und konsequent, aber unaufgeregt auf die Spitze getrieben. Die Handlungen der Figuren bleiben dabei zwar oft in einem vorhersehbaren Rahmen, erscheinen jedoch gerade deshalb beklemmend realistisch.

Hanno Koffler und Max Riemelt wissen als verhindertes Liebespaar perfekt zu harmonieren und verhelfen dem Film mit ihrer eindringlichen Darstellung zur vollen Ausdruckskraft. Vor allem in der ersten Hälfte benötigen die beiden Schauspieler keine großen Worte, um die Leidenschaft spürbar zu machen, die zwischen ihren Figuren entbrennt. Ohne Scheu vor körperlicher Nähe geben sie sich der Kamera hin, die ihre intimen Begegnungen aus nächster Nähe einfängt, sie aber nie in unangemessener Weise ausschlachtet.

17.06.2013

4

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Kommentare

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julianne

vor 5 Jahren

Schon wieder so lange her sensationell gemacht!!! Zeigt wie Problematisch es noch immer ist!!! Super Darsteller die 2 sind härzig!!!!!


Eulche

vor 7 Jahren

naja


anto02

vor 7 Jahren

Ein grosses WOW! Sehr emotionaler Film...


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